215

herkommlich  ist  und  bleibt  er  einmal  der  anonynus  notarius.
Man  hat  vielen  Grund,  ihn  unter  K.  Bela  I.  (1060  —  63)  zu
setzen,  oder  wenigstens  unter  Bela  II.  (1131—  41);  und  so  sehr
man  mit  Recht  wünscht,  daß  uns  dieses  kostbare,  bistorische
Stück  ganz  geblieben  seyn  möchte,  so  sehr  freut  man  sich  auch,
hier  einen  Chronisten  zu  haben,  der  selbst  Magyarisch  verstund,
und  die  falsas  fabulas  rusticorum  et  garrulum  cantum  10culatorum
  von  den  wahrhaft  bistorischen  Nachrichten  wohl  zu  unterscheiden
  wußte.

1.  Eine  große,  zahreiche  Horde  Calmyckischen  Stamms,
die  sich  Magyaren  nannten,  und  im  Lande  der  Vaskiren  am
Fuße  des  Ural  herumtrieben,  zog,  in  sieben  kleinere  Haufen
getheilt,  westlich  nach  den  Ufern  der  Wolga  hin.  Von  dort
aus  gieng's  den  alten  Hordenweg  nach  dem  Don  zu,  und
vom  Don  aus  nach  dem  Dnepr  hin.  Oier  aber  kauften  sich
die  zu  Kiew  von  ihnen  ab,  und  schickten  sie  weiter  nach  Suͤ—
den,  daß  sie  im  Süden  zwischen  der  Theiß  und  Donau  das
Reich  wieder  aufrichten  sollten,  das  ehedem  der  Kalmpcke
Attila,  dessen  Name  unter  ihnen  noch  groß  war,  zusammenerobert
  hatte.  Viele  der  Kiewischen  Russen  zogen  selbst  mit,
und  Horden  von  Cumanern,  die  am  Dnepr  wohnten,  und
bald  in  der  Sprache  als  Halbbrüder  sich  entdeckten,  zogen
auch  mit.  Der  Hauptschwarm  wälzte  sich  durch  Halicz  und
Wladimir  hindurch,  und  drang  über  die  Earpathen  herüber
in's  heutige  Ungarn  ein.  Zu  Munkats  war  ihr  erstes  großes
Standlager.

Wohl  war  auch  noch  ein  Theil  derselben  im  Lande  zwischen
  dem  Dnieper  und  Dniester  zurückgeblieben,  und  nur  der
Hauptschwarm  über  die  Carpathen  gezogen.  Bald  fiel  aber
auf  jene  eine  andere  Asiatische  Horde,  die  auch  von  der  Wolga
ber  stürmte,  und  jene  zogen  also,  sich  zu  retten,  den  Dniester

884

880