248

kommen  waren  seine  liebsten  Minister  und  seine  gesuchtesten
Rathgeber.  «

22.  Doch  war  wirklich  die  Noth  des  Landes  sehr  groß!
Woher  sollten  die  Summen  kommen,  die  große  Hofpracht  zu
bestreiten,  die  er  hoͤher  trieb,  als  irgend  einer  der  vorhergehenden
  Koͤnige?  Woher  das  Geld,  die  Kriege  zu  bestreiten,  aus
denen  er  nie  herauskam?  und  wie  sollten  alle  seine  wichtigen
neuen  Anstalten  ausgefuͤhrt  werden,  die  leicht  die  volle  Einnahme
  einer  ruhigen  Regierung  hätten  aufzehren  können?  Kein
Wunder,  daß  seine  Regierungszeit  die  Epoche  der  entstehenden
  Contribution  ist.

Er  errichtete  eine  stehende  Armee  von  Mieth-Truppen,
die  so  zahlreich  und  so  geübt  war,  als  sie  gewiß  damals  kein
Kaiser  und  kein  König  hatte,  und  seiner  schwarzen  Legion
kam  kein  Corps  in  Europa  gleich.  Er  wandte  große  Summen
auf  Künste  und  Wissenschaften,  und  ein  Plan,  wie  er  sich  zu
einem  großen  Erziehungs-Institut  auf  seiner  neuerrichteten
Universität  Buda  entworfen,  war  auch  drei  Jahrhunderte  lang
nach  ihm  keinem  Koͤnig  mehr  zu  Sinne  gekommen.  Seine
Bibliothek,  die  er  eben  daselbst  entstehen  ließ,  hatte  gewiß
nicht  ihres  gleichen,  und  außer  den  Summen,  die  er  auf  den
Ankauf  von  Handschriften  verwandte,  hielt  er  über  300  Coz
pisten,  die  überall  umher  zerstreut,  besonders  aber  in  Italien,
alte  Handschriften  für  seine  Bibliothek  abschreiben  mußten.
Man  muß  überdies  noch  zu  seinem  Ruhme  bemerken,  daß
er  nicht  bloß  Gelehrte  und  Künstler  und  Maler  und  Architek-1476

  ten  und  Buchdrucker  aus  Italien  kommen  ließ,  sondern
auch  Gärtner  und  Ackerbauverständige.  Doch  vielleicht  mehr,
als  alles  Uebrige,  was  er  dieser  Art  that,  wirkte  zur  Cultur
seines  Volks,  daß  er  Buda  zu  einem  Versammlungsplatz  aller
Großen  seines  Reichs  machte,  wo  alter  Parthiehaß  allmäblig