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Volk  zu  werden.  Sie  entledigten  sich  der  Russischen  Obergewalt,
  vergrößerten  sich  auf  Kosten  ihrer  ehemaligen  Herren,
und  gediehen  endlich  zu  einer  Macht,  die  allen  ihren  Nachbarn,
  Polen,  Russen  und  Deutschherrn,  gleich  furchtbar  seyn
mußte.  Schon  150  Jahre  vort  der  Vereinigung  mit  Polen
führten  ihre  Fürsten,  weil  sie  zu  einem  großen  Umfang  von
Ländern  gediehen,  den  Namen  Großherzog,  und  ob  sie  schon
jetzt  unter  einem  Könige  mit  Polen  vereinigt  waren,  so  wars
doch  noch  lange  hin  nicht  Vereinigung  zu  einem  Reich.  Sie
hatten  seit  dieser  Epoche  noch  zwei  Jahrhunderte  hindurch
ihre  eigene  Fürsten  oder  Großherzoge,  die  zwar  unter  der
Souverainetät  der  Polnischen  Könige  stunden,  aber  oft  doch,
gerade  Polen  zuwider,  über  dem  Interesse  und  der  Vergrößerung
  ihres  Landes  mit  einer  Eifersucht  wachten,  als  ob  Litthauen
  ein  eigener,  böllig  für  sich  bestehender,  unabhängiger
Staat  wäre.

Erst  endlich  1569.  wurde  es  wahre,k  volle  Union  zu  einem
  Reich.  Den  König  —  so  ward  es  damals  ausge,
macht  —  sollten  Polrn  und  Litthauen  vereinigt  wählen,  und
der  gewählte  sollte  König  von  Polen  und  Großherzog  von
Litthauen  seyn.  Ihre  bisher  noch  immer  getrennte  National=Versammlung
  wurde  damals  endlich  zusammengeschmolzen;
Litthauische  und  Polnische  Senatoren,  Deputirte  des  Polnischen
  und  Deputirte  des  Litthauischen  Adels  sollten  künftighin
  ein  Corps  seyn.  Großpolen  und  Kleinpolen  und
Litthauen  waren  also  seit  1569.  die  drei  Integraltheile  des
Polnischen  Reichs.

Die  erste  Wirkung  der  Union  unter  Uladislas  Jagello
aber  war,  daß  die  Vornehmen  und  das  Volk  sich  taufen  las
sen  mußten.  Sie  liesen  alle  in  Menge  zur  Taufe  herbei,  so
bald  sie  sahen,  daß  sie  wollene  Rocke  zum  Gescheuk  bekameu.