315

großen  Masse  agiren  zu  können.  Fürst  Radzivil,  der  Todfeind
  des  Königs,  wurde  der  Marschal  dieser  General-Confdderation;
  allein  Repnin  hatte  ihn  in  so  strenge  Aufsicht
genommen,  daß  er  nur  thun  konnte,  was  er  nach  den  Planen
  von  Rußland  thun  sollte.

46.  Ein  außerordentlicher  Reichstag  mußte  also
über  die  Wünsche  und  Beschwerden  dieser  General-Conföde-Sot.
ration  entscheiden,  aber  Repnin  hatte  auch  schon  diese  Wünsche
und  Beschwerden,  die  sie  niederschreiben  sollten,  militärisch
dictirt,  denn  das  Ganze  sollte  nicht  ihre  Sache,  sondern  bloß
—  sein  SpielEsepn.  An  der  Spitze  so  vieler  tausend  Mann
Russischer  Truppen  aber,  als  jetzt  schon  in  Polen  waren,
ließ  sich  leicht  befehlen,  was  geschrieben  werden  sollte.

Und  welche  Macht  in  Europa  hätte  hindern  sollen,  daß
nicht  immer  mehrere  einrückten?  Oesterreich  föhlte  die  tiefen
Wunden  eines  siebenjährigen  Kriegs.  Friederich  der  Große
wußte,  wie  viel  Nachgiebigkeit  er  der  Erhaltung  der,  Russischen
  Allianz  schuldig  sey,  und  Choiseul  that,  was  der  Minister
  eines  ganz  entkräfteten  Reichs  durch  Cabalen  und  kleine
Geldsummen  in  die  Ferne  hin  thun  kann.

47.  Nach  schon  eröffnetem  Reichstage  läßt  Repnin,  in
Warschau  selbst,  die  Bischöfe  von  Cracau  und  von  Kiew  *#
nebst  dem  Woiwoden  von  Cracau  und  dem  Starosten  von  Dct.
Dolin  in  der  Nacht  aufheben  und  nach  Sibirien  abführen,
weil  sie  der  Würde  seiner  hohen  Monarchinn  vergessen,  und
die  Reinheit  ihrer  uneigennützigen  Gesinnungen  angegriffen
hätten.  Zorn  und  Verzweiflung  rangen  nun  im  Hetzen  aller,
  die  nicht  gerade  selbst  zur  Russischen  Parthei  gehörten.

Repnin  dictirte  auch  das  ganze  Regulatif  der  künftigen
Rechte  der  Dissidenten,  und  dictirte  alle  ubrige  Consiitutionen
des  Reichstags.  Nur  fanden  auch  selbst  jene  wieder  große