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57.  Ob  Polen  jetzt  noch  einmal  getheilt  werden  solle,
stund  allein  in  Russischer  Willkuͤhr.  Denn  die  Polen  selbst
konnten  kaum  einen  Versuch  wagen,  der  Russischen  Macht
zu  widerstehen,  und  alle  Berechnungen,  wie  schnell  die  große
Oesterreichisch=  Preußische  Armee,  der  unterdrückten  Roialisten-Parthie
  in  Frankreich,  bis  zum  eigenen  selbstständigen
Kampf  emporhelfen  werde,  hatten  so  gewaltig  betrogen,  daß
man  leicht  sah,  auf  wie  langehin  die  Russische  Macht  in
Polen  ein  völlig  freies  Spiel  haben  konne.  Die  ganze  neue
Constitution  wurde  umgestoßen,  und  es  schien  noch  Großmuth
  der  Russischen  Monarchinn  zu  seyn,  wenn  sie  nicht
sogleich  ganz  Polen  auch  zur  Nominal-Provinz  ihres  Reichs
machte.

1793  z8.  Zweite  Polnische  Tbeilung,  nach  Form  und
Grundsätzen  und  ganzem  Verfahren  weit  hirter  als  die  erste.
Kaum  bleibt  der  Republik  jetzt  noch  ein  Drittheil

  ihres  ehemaligen  Königreichs.  Warschau,
die  Ressdenz  des  Königs,  wurde  jetzt  fast  zur  Gränzstadt
des  Landes.

Vier  tausend  Quadratmeilen  nahm  Rußland  wieder  hinweg,
  denn  der  unbesetzte  Russische  Antheil  begriff  das  noch
übrige  Stück  des  Palatinats  von  Polozk,  einen  Theil  der
Palatinate  von  Wilna,  Novogrodek,  Brzesc,  den  größten
Theil  von  Volhpnien,  das  noch  übrige  Podolien,  sammt

den  Palatinaten  von  Braclau  und  Kiew.  Ungefähr  tausend

Quadratmeilen  aber  besetzte  Preußen,  und  was  dieser  Por—-tion,

  an,  Umfang  abgieng,  ersetzte  vielleicht  die  Bevölkerung

und  Fruchtbarkeit  des  Landes.  Mehr  als  12c0,  ooo.  bisher

Polnische  Unterthanen  kamen  unter  Preußische  Herrschaft;

auch  Danzig  und  Thorng#  mußten  sich  unterwerfen.  Nicht
schien