323

I.  Quellen  der  aͤlteren  und  mittleren  Russischen  Geschichte.


s.  von  denselben  A.  L.  Schlösers  Probe  Rüssischer  Annalen.  Brem.
u.  Gött.  1768.  8.

Der  älteste  Russische  Annalist  ist  Nestor,  Mönch  im  Peczerischen
Kloster  zu  Kiew.  Er  schrieb  seine  Chronik  in  der  Landes-=sprache,
  zu  Ende  des  eilften  Jahrhunderts.  Sein  erster  Fortsetzer
  Sylvester  Abt  zu  Perejaslawl  starb  1123.  Sein  zweiter
Forksetzer  der  Bischof  Simeon  von  Susdal  schrieb  um  das  Jahr
1200,  und  darauf  folgten  noch  mehrere  Continnatoren,  daß  eine

zusammenhängende  Reihe  entstund  bis  in  die  Milte  des  vorigen
Jahrhunderts.

Außer  diesen  Annalen  bder  eigentlichen  Chroniken  sind  braud  bare
Quellen  die  Stufenbücher,  die  Geschlechtregister  und
Dienstregister.  Leider  aber  fehlt  es  böllig  an  dem,  was  allein
  im  Mittelalter  sichere  Geschichte  geben  kann,  es  sehlt  noch
völlig  an  Urkunden.  Die  älteste,  die  man  bisher  im  Moskauer
Reichsarchive  gefunden,  ist  den  angegebenen  chronelogischen
Kennzeichen  zusolge  ungesäbr  ein  halb  Jahrhundert  jünger,  als
Nestor.

Wie  die  Annalisten  kritifch  bearbeitel  und  kritisch  genutzt  werden
müssen,  hat  Schlözer  zu  allererst  recht  gejeigt,  und  seine  Uebertragung
  der  erprobten  und  auch  in  der  südeuropäischen  Geschichte

  längst  angewandten  Grundsätze  von  Krisik  auf  die  Russische
und  allgemeine  Nordische  Geschichte  konnte  endlich  dieser  Geschichte
  eine  brauchbare  Grundlage  verschaffen.

21  *