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6.  Die  ersten  Eingriffe  in  die  Ponische  National,  Freibeit,
  die  bei  der  neuen  Kbdnigs-Wahl  geschahen,  achtete
man  kaum,  weil  Rußland  jetzt  nicht  mehr  that,  als  was
schon  vor  dreißig  Jahren  geschehen  war.  Die  ferneren,
tiefer  fassenden  Eingriffe  aber  vergaß  man  um  der  guten
Sache  der  Dissidenten  willen,  und  licß  das  Völker-Recht
zu  Chren  der  Toleranz,  Philosophie  ruhen.

Da  der  Türken-Krieg  noch  hinzu  kam,  so  hoffte
Nreußen  wie  Oesterreich,  daß  nicht  alles  glücklich  gehen
werde,  was  Catharina  1I.  unternehme.  Und  wie  auch  diese
Erwartungen  mißlangen,  so  näherten  sich  wohl  beide  Mächte
einander,  aber  das  Mißtrauen  Friederichs  II.  gegen  den  ehemaligen
  Besitzer  von  Schlesien  war  zu  groß,  als  daß  es
zum  wahren  Gemeinsinn  gegen  Rußland  kommen  konnte.
Endlich  lud  noch  Rußland  beide  Mächte  zum  Mitgenuß  ein;
die  erste  Polnische  Theilung  erfolgte,  und  alles,  was  Ruß—
land  gethan  hatte,  mußte  nun  selbst  in  Oesterreich  und  Preußen
  Vertheidiger  finden.  Catharina  nahm  das  ganze  Land
zwischen  der  Düna,  Dnepr  und  Drutsch,  oder  Polnisch  Livland,
  die  Palatinate  Witepsk  und  Micsislaw,  die  Hälfte  des
von  Polotzk  und  einen  Theil  von  Minsk;  und  selbst  das

ganze  übrige  Polen,  was  nach  der  Theilung  noch  eigene

Republik  blieb,  regierte  ihr  Gesandter  zu  Warschau.

1208  7.  Fünfjähriger  Türken=  Krieg.  Drei  Russische
1774  Armeen  agirten  zu  gleicher  Zeit,  und  eine  Russische  Flotte,
von  den  Engländern  sehr  begünstigt,  erschien  im  Archipelagus.
  Man  erstaunt  aber  mit  Recht,  wenn  man  in  glaubwürdigen
  Erzählungen  alle  die  Fehler  liest,  die  zu  Land  und
zur  See  von  den  Russen  begangen  wurden,  und  doch  das
Resultat  des  Kriegs  ansieht.

1769

1772