27

moͤglich  gemacht  worden  seyn.  Doch  jene  protestantische
Sympathie,  die  in  Zeiten  der  drängendsten  Noth  dem  Kaiser
so  furchtbar  wurde,  war  selbst  durch  den  Braunschweigischen
Erbschaftéstreit  mit  so  ungleichartigem  Inreresse  vermischt
worden,  die  Dänische  Parthie,  seirdem  der  Dänische  Prinz
Friederich  zum  neuen  Besitze  des  Erzstifts  Bremen  gekommen,
  hatte  im  Niedersächsischen  Kreise  ein  solches  Uebergewicht
  erhalten,  der  Wunsch  zum  Frieden  war  in,  allen  Fürsien
  so  rege,  das  Zaudern  einzelner  Fürsten  bei  gemeinschaftlichen
  Unternehmungen  so  altdeutsche  Sitte,  daß  Georg  beinc
Kreistruppen  ins  Feld  erhielt,  Kriegsthaten  ohne  Armee  ausführen
  sollte,  Verantwortung  für  den  ganzen  Kreis  hatte,
und  von  keinem  Fürsten  des  ganzen  Kreises  redlich  unterstützt
  wurde.  «

Nie  wuͤrden  kleine  Kraͤnkungen,  die  er  von  Echweden
erlitt,  einen  so  tiefen  Eindruck  gemacht  haben,  nie  würde
seine  Abneigung  gegen  den  Landgrafen  von  Cassel,  Schwedens
  treuesten  Alliirten,  so  wirksam  geworden  seyn,  nie  wäre
es  seinem.  Schwager,  dem  Landgrafen  von  Darmstadt,  gekungen,
  den  nachbarlichen  Widerwillen  gegen  den  Landgrafen
von  Cassel  bis  zur  entschiedensten  Abneigung  zu  erhöhen,
wenn  nicht  der  Ueberdruß,  ein  Werk  zu  treiben,  das-den
größten  Helden  im  Kriege  und  im  Negociiren  zu  schandon
machen  mußte,  ein  eben  so  starker  Beweggrund  zur  Annahme
des  Prager  Friedens  geworden  wäre,  als  die  Bitten  der
Landstände  und  die  Vorstellungen  des  Canzlers  seyn  mußten.

Herzog  Gcorg  bequemte  sich  also  dem  Sacchsischen
Particularfrieden  beizutreten.  Seine  Brüder  Friederich  und
August  nebst  den  Vettern  von  Harburg  waren  vorangegangen,
  auf  dem  Kreistage  zu  Lüneburg  hatten  sich  alle  einmüthig
  für  denselben  erklärt,  und  man  war  sogleich  mit  dem