105

So  ein  Mann,  als  dieser  Gesandte  Herzog  Christian
  Ludwigs  bei  dem  Westphälischen  Friedenscongresse
  war,  findet  sich  kaum  alle  Jahrhunderte  einmal.
Oft  mitten  unter  einem  ermatteten,  sorglosen  oder  bloß  für
sich  sorgenden  Geschlechte  stehr  er  ein  Beispiel,  was  Patriotismus
  und  Thätigkeit  eines  einzigen  Mannes  vermöge,
und  selbst  halbvereitelte  Plane,  deren  vollige  Ausführung
bald  die  Schwäche  seines  Zeitalters  bald  die  eigene  Menschlichkeit
  des  großen  Mannes  unmöglich  machte,  keimen  doch
wie  ein  Saamkorn,  in  steinichtes  Erdreich  geworfen;  auch
sogar  ihre  verzögerte  spätere  Entwicklung  gehört  zu  dem
besseren  der  Zeiten,  die  Gottes  allwaltende  Vorsehung  dem
armen  Lande  zu  schenken  beschloß.  Fürwahr  kein  Fürst  darf
sich  schimen,  der  Vorsehung  demüthig  zu  danken,  wenn  sie
seiner  Regierungszeit  einen  solchen  Segen  aufbehielt,  und  der
entartetste  Fürst  sollte  nicht  so  entartet  seyn  können,  um  endlich
doch  in  einem  Falle  zu  fühlen,  wie  wenig  er  Recht  habe,
seine  Räthe  als  Diener  zu  behandeln,  die  er  huldreich  ernähre.
  «

Lampadius  hatte,  außer  der  kurzen  Zeit  die  er  zu
Helmstaͤdt  Professor  gewesen,  schon  eine  zwauzigjaͤhrige  große
praktische  Laufbahn  zurückgelegt,  dä  er  als  Schutzengel  seines
  Fürsien  und  selbst  auch  als  Schutzengel  der  ganzen
ebangelischen  Parthie  auf  den  großen  Friedenscongreß
nach  Osnabräck  kam.  Jene  lange  Reihe  von  Negociationen,
die  er  seit  den  traurigsten  Zeiten  Herzog  Friedrich  Ulrichs
durch  alle  Abwechslungen  der  Regierung  Georgs  und  Chri-—.



was  bei  Mejern  Westph.  Fr.  Handl.  VI.  Th.  S.  61  und  Baring
  Beschreib.  der  Lauensteinischen  Saale  S.  233.  f.  stehr.
Sein  Negociations-Diarium,  eine  wichtige  Urkunde  für  die  Geschichte
  seines  öffentlichen  Lebens,  befindet  sich  auf  der  Wolfenbuͤttler
  Bibliothek.