148
Ueber  die  schönen  Träumereien,  wie  ein  halbaufgeklärter
Menschenfreund,  in  Betrachtungen  über  die  große  Brandscene
  des  dreißigjährigen  Krieges  versenkt,  einen  kleinen  Platonischen
  Deutschen  Staat  hätte  erträumen  kdunen!  So  ist
es  nun  einmal  nicht  Deursche  Weise,  so  wenig  es  Weise
irgend  eines  freien  und  freihcitliebenden  aufgeklärten  Volkes
ist,  mit  voͤlliger  Zerstoͤrung  aller  alten  Verhältnisse  und
Privilegien,  nach  dem  Dünkel  der  politischen  Aufklärung
einer  Geueration,  den  vielleicht  die  nachfolgende  Generation
noch  schlauer  meistert,  eine  ganz  neue  Constitution  aufzuführen.
  Dafür  sitzen  kluge  Fürsten  auf  Thronen  und  weise
Minister  stehen  zu  ihrer  Seite,  um  mit  hohem  Scharfsinne
und  mlt  bieder  Deurscher  Politik  mannichfache  Combinarionen
auszufinden,  wie  das  uralte,  in  ganz  anderen  Zeiten  und
von  Menschen  ganz  verschiedener  Bedürfnisse  massivaufgeführte,
  Gebäude  immer  doch  noch  wohnbar,  immer  noch
bequemwohnbar  erhalten  werden  könne.  An  alten  Formen
hängt  alte  Freiheit,  und  der  Einwohner  eines  manchen  kleinen
und  großen  Deutschen  Staats  kdunte  uns  erzählen,  wie  der
Vater  seines  Fürsten  ein  ganz  neues  Gebäude  einer  völlig
neuen  Staatsconstiturion  aufgeführt,  wie  der  Sohn  wieder
neu  gebaut,  sein  altes  Rom  noch  einmal  habe  anzünden  und
noch  einmal  ein  neues  vermeintlich  schdneres  bauen  lassen,
und  wie  man  Hoffnung  habe,  daß  auch  schon  im  Kopfe  des
Erbprinzen  ein  neues  Bauproject  reise.  Soll's  in  unserer
nur  halbklaren  kunst=  und  alterthumsvollen  Verfassung,  in
dem  getheilten  Juteresse  der  Stände  unter  cinander,  in  der
allgemeinen  Dunkelheir  und  der  noch  allgemeineren  sorglosesten
Unkunde  aller  pragmatischen  Landesgeschichte  liegen,  daß
kenntnißvoller  Patriotismus,  daß  regester  Gemeineifer,  ungenährt
  von  persönlicher  oder  Familiendankbarkeit  gegen  cine