157

Schon  war  es  ein  großer  Schritt,  der  noch  unter  Herzog
Georgs  Regierung  durch  ihn  geschehen,  ein  so  großer  Schritt
als  selbst  unser  Zeitalter  bei  äbnlichen  Beduͤrfnifsen  nicht
gewagt  hat,  daß  er  einen  neuen  Katechismus  einfuͤhrte  ?).
Schon  ein  guter  Anfang  einer  festeren  hierarchischen  Subordination,
  auf  welche  viel  nützliches  gegründet  werden
könnte,  daß  er  den  großstädtischen  Klerus  in  ein  immer  näheres
  Verhältniß  zum  fürstlichen  Consistorium  zog,  daß  er
jenc  insularische  Verfassung  der  Schulen,  in  der  sich  nach
alter  Freiheit  die  großstädtischen  Magistrate  zu  behaupten
suchteuv,  durch  Ausführung  eines  allgemeineren  Subordinationssystemes
  glücklich  zerstörte,  und  selbst  auch  durch  mündliche
  Lehre  und  Schriften  ein  Beispiel  der  Aufklärung  und
wahrheitsliebendsten  Toleranz  gab,  wie  kein  Mann  dieses
hohen  Kirchenranges  unter  allen  seinen  Vorgängern  im
Hannbverischen  hätte  geben  koͤnnen.

Doch  war  sein  eigener  Blick  nicht  helle  genug,  um
durch  den  täuschendsten  Nebel  des  kirchlichen  Herkommens
bindurch  zu  schauen.  Sein  eigener  Sinn  nicht  hoch  genug,
um  weder  argwöhnisches  Zaudern  der  Collegen,  noch  unwissende
Seufzer  der  Menge  von  Geistlichen  und  Laien  zu  fürchten.
Seine  eigene  Hand  nicht  stark  genug,  um  einzureißen  und

*)  Dies  geschah  noch  unter  Herz.  Georg.  Gesenius  hatte  seinen
Katechismus  schon  1631  berausgegeben  unter  großer  Billigung
des  damaligen  berühmten  Theologen  in  Strasburg  D.  Jo.
Schmid.  Revidirt  erschien  er  alsdenn  1635.  Herz.  Georg
ließ  einen  Auszug  daraus  machen,  und  deuselben  als  Landkatechismus
  einführen,  wovon  Buscher  eine  seiner  Kriegs-Veranlassungen
  nahm.  Daß  dieser  Katechismus  nach  dem  Maase
der  religiösen  Aufklärungen  jener  Zeiten  abgefaßt  ist,  braucht
nicht  erst  erinnert  zu  werden.  Der  alte  Katechismus,  der
in  der  Hannsverischen  Kirche  gebraucht  wurde,  war  noch  nicht
hundert  Jahr  alt,  und  schon  ein  neuer.  Der  Geseniufische
Katechismus  bluht  nun  aber  schon  anderthalb  Jahrhunderte.