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erst  verschwunden,  so  erdffneten  sich  schon  in  Zelle  selbst  so
gefahrvolle  Unruhen  und  so  zweideutige  Scenen,  daß  der
Ausbruch  eines  Bruderkrieges  unvermeidlich,  und  ein  neuer
allgemeiner  Krieg  wenigstens  in  Norddeutschland  fast  gewiß
zu  seyn  schien.  Prinz  Johann  Friederich  war  schon  in  Zelle,
und  zwei  Geheimeräthe  von  Hannover  kamen  an  5),  die
Lüneburgischen  Stände  waren  versammelt,  die  Gehcimenräthe
des  sterbenden  Herzogs  in  größter  Bewegung.  Von  beiden
Parthien  wurden  Patente  gerüstet,  Notariussc  bestellt,  Kundschafter
  ausgesandt,  schon  mit  der  ersten  Nachricht  des  Verscheidens
  schien  der  erste  Tumult  in  Zelle  selbst  ausbrechen
zu  müssen,  und  gleich  dem  ersten  Tumulte  gab  das  Religionsinteresse
  der  Parthien  eine  so  drohvolle  Erbitterung,  daß
die  Höfe  von  Wien  und  Berlin,  von  Paris  und  Stockholm
schon  Theil  genommen  zu  haben  schienen.

Allein  nicht  nur  die  Menge  der  Alliirten,  die  sich  dieser
  und  jener  Parthie  wirklich  anschloßen,  war  hochst  furchtbar;
  auch  das  Recht  der  Parthien  schien  höchst  verwickelt.

Alles  kam  bei  der  Frage:  wer  das  Fürstenthum
Zelle  erben  sollte?  auf  die  Erklärung  des  väterlichen  Tesiaments
  an.  Herzog  Georg  hatte  in  seinem  Testamente
verorduct,  daß,  wenn  einsi  das  Fürstenthum  Zelle  au  seine
Descendenten  heimfalle,  so  sollten  beide  Fürstenthumer  Calenberg
  und  Zelle  gleichgemacht,  und  zwischen  beiden
gleichgemachten  Portionen  seinem  älteren  Sohne  die  freie
Wahl  gelassen  werden.  So  hatte  man  es  auch  1648  gehalten,
  und  Nicmand  hatte  damals  gezweifelt,  daß  es  kraft  der

*)  Präsid.  von  Bülow  und  Hofmarsch.  von  Grapendorf.  Die
abgesiattete  Relation  dieser  beiden  Minister  an  Herz.  Geo.
Wilh.  ist  in  nachfolgender  Erzählung  zum  Gründe  gelegt.