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dingterem  Gehorsam  noch  niedrigen  Eigennutz  vereinigen
möchte.  Wie  wandelbar  wird  nicht  endlich  die  Empfindung
der  redlichsten  Männer,  was  pflichtmäßiger  Widerspruch,  was
weise  Nachgiebigkeit  seyn  möchte,  wie  gewaltig  wirkt  nicht
auch  die  gewissenhafteste  Scheidung  solcher  Gränzen,  wenn  gehorsamere
  Familien  emporkommen,  unversorgte  Kinder  umherstehen,
  und  oft  noch  nähere  Bedürfnisse  drängen!

Daß  wir's  fühlen  mochren,  wem  wir  den  glücklicheren
Genuß  unserer  ungekränktesten  Freiheit  einzig  zu  danken  haben!
  Nicht  der  Nationalgeist  ist's,  der  uns  sichert.  Nicht
die  Verfassung  ist's,  die  den  Verlust  unserer  Freiheit  unmoͤglich
  macht.  Nicht  ein  allgemeinreger  Patriotismus  ist's,  der
das  Freiheltsschicksal  unseres  Landes  so  ausgezeichnet  merkwürdig
  seyn  ließ.  Unsere  Fürsten  selbst  waren's,  die  uns
schützten,  die  Minister  unserer  Könige  waren's,  die  den  Despotismus
  verabscheuten,  der  unvergleichbare  beglückende  Freiheitston
  war's,  der  in  allen  Theilen  der  Landesregierung  selbst
herrschte.  «

Einmal  ruhig  hingeschaut  in  Johann  Friederich's
und  Ernst  Augu  st's  Zeiten,  ruhig  hingeschaut  in  jede  Periohe
  unserer  Landesgeschichte,  wo  uneingeschraͤnktere  Gewalt
des  Landesherrn  maͤchtig  aufzubluͤhen,  allgemeine  Nationalfreiheit
  allmaͤlig  zu  verwelken  schien;  wer  waren  denn  die
Männer  da,  die  unerschrocken  vortraten?  wer  hielt  den  gewaltigen
  Ström  auf?  wer  vergaß  seine  Familie,  um  das
Vaterland  zu  retten?  wer  sprach  laut  gegen  Fehler,  die  gemacht
  wurden,  gegen  Dinge,  die  nicht  seyn  sollten?

Laßt  uns  demüthig  seyn,  wir  find  nicht  besser  als  andere
  Deutsche,  ob  wir  auch  fteier  sindals  andere  Deutsche.
Wenn  es  die  Vorsehung  so  hätte  sügen  wollen,  daß  Johann

Spittler's  limmtl.  Werte.  VII.  9d.  16