245
recht;  so  ward  Ernst  August  ein  neuer  Stammvater  eines
neuen  Regenrenhauses,  Ernst  August's  und  der  Pfälzischen  Sophia
  Nachkommen  blieben  allein  noch  die  Hoffnung  des  blühendsten
  Stammcs  der  Welfen,  bald  auch  das  erflehteste
Glück  Großbritanniens,  die  sehnlichsierwarteten  Schutzengel
der  protestantischen  Religion.

Ost  fließt  sichebar  in  der  Geschichte  einer  neuen  Stammlinie
  die  ersie  Mischung  des  Blutes  der  Stammväter  durch
mehrere  Generationen  sort,  durchlauchtige  Familientugenden,
durchlauchtige  Familienlaster,  wenn  nur  der  Historiker  alle
Dinge  sagen  dürfte,  die  man  in  keine  Urkunde  schreibt,  die
kein  Annalisic  aufbewahrt,  scheinen  sich  wie  Physiognomien
zu  vererben,  und  fürwahr  mehr  als  sonsi  jemals  sollte  man
in  cinem  ganzen  Lande  beten,  wenn  sich  der  Prinz  eine
Braut  sucht,  wenn  der  große  physischpolitische  Bund,  von
dem  doch  das  Wohl  ganzer  Jahrhunderte  abhängt,  leider
meist  nach  den  duͤrftigsten  politischen  Gründen  geschlossen
wird.  Oft  sind's  die  trefflichsien  Stammmütter,  die  der
kurzsichtige  Politiker,  dem  doch  der  Himmel  selten  seine  Geheimnisse
  enthüllt,  schwerlich  zu  Mürtern  des  ganzen  Stammes
  gewählt  haben  würde,  und  wie  schon  manchen  neuen
Stammhauses  neues  Glück  hat  eine  arme  Pfälzische  Sophia
gemacht,  die  nur  als  Braut  für  den  jüngsicn  Prinzen  gewählt,
deren  Vermählung  mehr  gestattet  als  politisch  verfügt  ward,
deren  Nachkommen  künstig  erst  noch  ihr  Glück  suchen  sollten.

Gewiß  war  keine  glänzende  Aussicht  da,  als  sich  Ernst
August  mit  Sophia  vermählte.  Ihr  Vater  war  im  Elend
gestorben,  ihre  Mutter  saß  schwer  und  tief  verschuldct  als
Titularkönigin  im  Haag,  ihr  Oheim,  der  der  ganzen  Familie
Stütze  seyn  sollte,  war  neun  Jahrc,  bbe  sie  sich  vermählte,
feicrlich  wie  ein  Verbrecher  mißhandelt,  in  seiner  eigenen  kö-