285

seinem  eigenen  Herzoge  mißfiel,  daß  er  mit  Platen  und
Grote  in  einen  Bund  trat,  dessen  ruhmvollste  Fruͤchte  doch
die  Hannöverschen  Minister  genossen,  daß  er  unbekümmert
um  die  kleinen  Erschütterungen,  die  sein  eigenes  Ansehen  in
Zelle  zu  leiden  schien,  zu  Wien  thätigst  mitwirken  half.

Georg  Wilhelm  ward  endlich  völlig  gewonnen,  aber  unter
  den  geneigresten  Minisiern  des  Kaisers,  selbst  da  Stratmann
  zu  begreifen  anfieng,  Königsegg  milder  sprach,  blieb
immer  noch  der  sonderbarsie  Zwist,  wie  ein  Churfürst  gemacht
  werden  müsse,  ob  des  Kaisers  Machtvollkommenheit
doch  wohl  auch  allein  kräftig  genug  sey?  ob  die  Churfürsten
gefragt  werden  müßten?  ob  man  auch  Einwilligung  der
Fuͤrsten  vorläufig  noch  suchen  solle?  Der  kaiserliche  geheime
Rath  Fürst  von  Salm  vertheidigte  die  Rechte  der  Fürsten.
Selbst  Leopolds  Schwager,  Churfürst  Johann  Wilhelm  von
Pfalz,  sprach  unpartheiisch  für  dieselbe.  Stratmann  wollte
nichts  von  Fürsten,  nichts  von  Churfürsten  hdren;  des  Kaisers
  Recht,  zu  neuen  Würden  zu  erheben,  sey  uneingeschränkt;
wenn  es  einst  zur  wirklichen  Einführung  in  das  Churcollegium
  komme,  mbchte  man  allein  noch  die  Churfürsten  fragen
  *).

Man  sprach  zu  Augsburg  bei  der  Wahl  des  Rdmischen
Koͤnigs  Joseph  von  dem  neuen  Hanndverschen  Gesuche.  Doch
kaum  ward  nur  historisch  gesprochen.  Man  erzählte  und
hörte;  man  zweifelte  und  vermuthete,  und  niemand  wollte
glauben,  daß  Ernsi  August  und  Georg  Ludwig  wirklich  abschworen,
  daß  dic  längst  angewandten  Proselptenversuche  in

*)  Nach  Pulendorl  I.  c.  p.  230.  ist  es  indeß  gerade  Stratmann,
der  da  meinte,  die  Sache  müßte  vor  die  Stände  gebracht
werden.

1689