XII

Apologie  des  Klerus  im  mittlern  Zeitalter  erklären.  Da  ich
hier  (in  Göttingen)  keine  Scele  den  Aufsatz  vorher  lesen  lassen
  konnte;  so  kann  es  wirklich  seyn,  daß  ich  nicht  genug
historische  Beispiele  hinzufügte,  wie's  jedem  leicht  geht,  der
in  der  vollen  Intuition  scines  Gegenstandes  arbeitet,  daß  er
Mittelsaͤtze  uͤberspringt,  die  der  kaltbluͤtige  Leser  vermißt.
Wenn's  also  dieß  allein  ist,  was  ihm  fehlt,  so  bitt'  ich  Sie,
ihn  mir  bald  moͤglichst  zuruͤck  zu  schicken;  ich  will  so  streng
dokumentiren,  als  der  schärfste  Prüfer  nur  verlangen  kann;
vielleicht  auch  einige  Sätze  alsdann  mehr  ausführen,  daß  es
sichtbar  ins  Auge  fallen  soll.  Noch  sind's  nicht  20  Jahre,
daß  man  einen  Historiker  gesteinigt  hätte,  der  sich  unterstanden,
  vom  Nutzen  der  Kreuzzüge  zu  sprechen.  Jetzt  haben's
gelehrte  Akademien  zur  Preißfrage  gemacht.  Ich  habe  in
meinem  Aufsatz  gar  nicht  beweisen  wollen,  daß  an  dem  Klerus
des  mittlern  Zeitalters  gar  nichts,  als  Gutes,  gewesen  sey.
Ich  kenne  die  Schurken  zu  wohl!  Aber  die  Frage  war:  Hat
dieses  Otterngezüchte  gar  nichts  genützt?  und,  wenn's  genützt
  hat,  was  hat  es  genützt?  Unsere  Geschichtschreiber  sind
über  diesen  Punkt  alle  voll  Deklamation;  ich  erinnere  mich
nicht,  bei  irgend  einem  gelesen  zu  haben,  daß  er  auch  die
Vortheile  des  Klerus  gezeigt  hätte.  So  ist  auch  die  Frage
nicht:  ob  wir  uns  wieder  den  Klerus  des  mittlern  Zeitalters
wünschen  sollen,  weil  er  genützt  hat?  Das  wäre  ungefähr
eben  so,  als  ob  man  sich  den  Informator,  der  uns  das  AB  C
lehrte,  wieder  zurück  wünschen  wollte,  weil  er  gut  A  B  C
lehren  konnte.  Es  ist  bei  den  ganz  uneingeschränkten  Deklamationen
  gegen  den  Klerus  sehr  viel  Verwechselung  unserer
Zeiten  mit  jenen;  und  für  unsere  Zeiten  ist  freilich  der  ganze
Unwille  gegen  den  katholischen  Klerus  vollkommen  gerechr.
So  wie  der  Unwille  über  die  Kindsmagd  vollkommen  gerecht