88

nischen  Candn:  aber  wir  können  nicht  wissen,  aus  welcher
Handschrift  sie  ihn  genommen  hat,  vermuthlich  aus  einer
Balsamonschen;  denn  es  sind  mehrere  von  dieser  Art  dabei
gebraucht  worden:  und  da  die  Herausgeber  so  sehr  auf  eine
vermoeinte  Vollständigkeit  sahen,  so  waren  für  sie  die  Balsamonsche
  Handschriften  die  allervortrefflichsten.  Bei  der
Frage  von  der  Aechtheit  unsers  Canons  kann  also  diese  Ansgabe
  gar  nichts  entscheiden:  sie  ist  zu  unkritisch  veranstaltet,
und  sie  hat  sich  vorzüglich  nach  Handschriften  gerichter,  die
höchstens  aus  dem  zwölften,  dreizehnten  Jahrhundert  sind.

Bisher  von  den  Haudschriften,  die  wir  gedruckt  haben:
jetzt  von  einigen,  die  noch  blos  Handschriften  sind,  und  bisher
  bei  Ausgaben  noch  nicht  benutzt  worden.  Ihre  Anzahl
istesehr  geringe,  weil:  theils  wenige  Manufseriptenkatalogen
auf  cine  genaue  Beschreibung  der  Handschriften  sich  einlas
sen,  theils  auch  ein  großer  Thell  der  Handschriften  bloß
Balsamonsche  Handschriften  sind.

g.  8.

Matthäus  Gretser,  ein  sehr  eifriger  Ingolstaͤdtischer
Jesulte,  suchte  die  Lehre  seiner  Kirche  unter  andrem  auch  in
Ansehung  ihres  angenommenen  Canons  zu  bertheidigen.
Man  nahm  gegen  denselben  gewöhnlich  auch  einen  Einwurf
aus  unsrem  Laodicenischen  Canon:  diesen  zu  beantworten
führt  unter  anderm  Gretser  *)  eine  sehr  alte  Haudschrift.
an,  in  der  das  ganze  Verzeichniß  nicht  stehen  soll.  Er  giebt
keine  Beschreibung  von  der  Haudschrift,  oder  sonst  irgend  «
einige  Kennzeichen,  woraus  man  auf  ihr  Alter  schließen
koͤnnte.  Es  waͤre  dieses  um  so  mehr  zu  wuͤnschen  gewesen,

*)  Operum  Tom.  VIII.  pag.  56.