155

schen  stehen.  Auch  der  Unterschied,  worin  die  griechische
und  lateinische  Urkunde  in  einigen  Sentenzen  oder  Worten
von  einander  abweichen,  scheint  eine  bestimmte  Absicht  zu
haben.  Was  ist  Original?  Soll  die  griechische  oder  die
lateinische  Urkunde  korrigirt  werden?  Sehr  mißlich,  bei
welcher  von  beiden  man  es  versuchen  wollte.

g.  2.

Die  griechische  Urkunde  hat  immer  aus  der  ganzen
Geschichte  selbst  sehr  viele  Vermuthungsgruͤnde  fuͤr  sich:
viele  der  Vaͤter  waren  Griechen,  sie  dekretirten  also  auch
griechisch:  einige  der  Schluͤsse,  die  man  in  der  griechischen
Urkunde  hat,  (can.  18  und  10)  betreffen  bloß  eine  zu
Thessalonich  streitige  Bischofswahl;  sollten  diese  da,  wo  sie
hauptsaͤchlich  guͤltig  seyn  mußten,  allgemein  verstanden  werden,
  so  mußten  sie  griechisch  seynn.  Und  wenn  man  annehmen
  z  wollte,  das  Griechische  sep  die  Uebersetzung,  und  das
Lateinische  das  Original,  so  müßte  man  annehmen,  daß
diese  Uebersetzung  schon  im  fünften  Jahrhundert  gemacht
worden  sey,  denn  Johann  von  Antiochien  hat  die  griechisch
sardicensischen  Schlüsse  in  seiner  Sammlung,  und  zwar  ohne
irgend  einige  Spur,  daß  er  sie  nicht  schon  so  gefunden  habe.

Dionys  in  der  Vorrede  zu  seinem  codex  canonum
sagt,  daß  er  die  sardicensischen  Schlüsse  nicht  habe  griechisch
finden  können,  und  daß  er  also  bloß  die  gefundene  lateinische
  Urkunde  eingerückt  habe.  Aus  diesem  Zrugniß  des
Dionysius  glaubt  Richer  #)  sehr  deutlich  zu  erweisen,  daß
sic  also  damals  noch  gar  nicht  griechisch  eristire  hätten,  und

)  Histor.  Concflior.  generalium  T.  I.  pag.  98.  ed.  Colon.
1685.  6  «