156

der  Ordnung  sie  im  oodex  gewesen  seyn  9).  Nun  traf
es  sich  vollkommen,  daß  diese  canones  in  dem  Justellischen
codex  gerade  auch  die  naͤmliche  Nummern  hatten:  es  war
kein  Wunder,  daß  sich  es  so  traf,  denn  Justell  hat  seinen
codex  gar  nicht,  wie  man  vermuthen  sollte,  aus  einer  alten
Handschrift  kritisch  getreu  abdrucken  lassen,  sondern  er  hat
seine  Handschrift  so  lang  geändert,  bis  ihm  alles  auf  die
Nachrichten  in  den  Akten  der  chalcedonischen  Synode,  und
in  manchen  Stuͤcken  auch  auf  die  collection  Dionysü
exigui  zu  passen  schien.  So  glaubte  er  also  den  codicem
Chalcedonensem  wieder  hergestellt  zu  haben.  Weil  Dionys
in  der  Vorrede  zu  seiner  Sammlung  meldete,  er  habe  die
sardicensischen  Schlüsse  griechisch  nicht  finden  können,  so
schloß  Justell,  also  haben  sie  damals  noch  nicht  griechisch
eristirt,  also  ist  es  bloß  Uebersetzung  späterer  Zeiten,  was
man  unter  diesem  Namen  noch  griechisch  har,  also  waren
die  sardicensischen  Schlüsse  ganz  gewiß  nicht  in  dem  Coder,
der  auf  der  chalcedonischen  Synode  gebraucht  wurde.  Und
da  er  es  mit  seinen  Nummern  grade  so  richten  kounte,  daß
der  sechszehnte  autiochenische  Canon  der  fünf  und  neunzigste
in  der  Ordnung  wurde,  (als  den  fünf  und  neunzigsten
führte  man  ihn  zu  Chalcedon  an)  so  freute  sich  Justell  recht
berzlich,  daß  er  dem  Rath  seines  Freundes,  des  beräühmten
Jakob  Lechaßer,  mit  so  großem  Glück  gefolgt,  und  die  gelehrte
  Welt  mit  einer  so  wichtigen  Entdeckung  beschenkt
habe.  Wenn  nicht  alle  diese  Nachrichten  aus  Justells  cige-*)

  Wer  die  Stellen  gerne  nachsehen  möchte,  und  nicht  gleich
eine  Conciliensammlung  bei  der  Hand  hat,  findet  sie  ercerpirt
  in  Salmon  trai0é  de  T’dtude  des  conciles  (Leipeic
1755.  8.)  pog.  216.  eic.  und  in  Vertschens  Historie  des  ka:
nonisch'en  Rechts.