215

rakter  des  Schriftstellers  ungescheut  aufzudecken.  Zur  Vereinigung
  der  Nachrichten  des  Goarschen  Biographen  mit  den
übrigen  Nachrichten  von  der  Reihenfolge  der.  Trierischen,
Bischbfe  schlage  ich  folgende  zwei  Wege  vor,  die  ich  aber
ganz  den  prüfenden  Versuchen  meiner  Leser  überlasse:

1)  Wenn  der  Bischof  Rustikus,  dessen  in  der  Goarschen
  Lebensbeschreibung  gedacht  ist,  etwa  ganz  kurze  Zeit,
etwa  nicht  einmal  ein  volles  Jahr  regiert  hätte,  so  ließe
sich  's  wohl  begreifen,  warum  seiner  weder  in  den  gestis
Treverorum,  noch  in  dem  Gedicht  des  Fortunatus  gedacht
ist.  Die  Vortheile  und  Rachtheile  dieser  Hppothese  kann  ich
hier  nicht  entwickeln,  besonders  da  die  ganze  Untersuchung
hier  nicht  Hauptsache  ist.

2)  Wenn  man  annimmt,  daß  der  Koͤnig  Sigebert,
dessen  am  Ende  der,  gebensbeschreibung,  gedacht  ist,  seine
Nachfrage  wegen  dem  Verbrechen  des  Rustikus  erst  lange
Zeit  nach  geschehener  That  unternommen  hätte,  so  kann  der
Bischof  Rustikus,  von  dem  hier  die  Rede  ist,  derjeuige  seyn,
den  Hontheim  S.  60.  nach  dem  Fibicius  und  vor  dem
Aprunculus  setzt.  Letztere  Meinung  scheint  mir  bei  weitem
die  wahrscheinlichert.  Nur  muß  man  bei  Untersuchung  derselben
  die  Vorsicht  gebrauchen,  immer  mehr  den  Biographen.
des  heiligen  Goars,  wie  er  in  der  Antwerpischen  Sammlung
  abgedruckt  ist,  vor  Augen  zu  haben,  als  die  Erzählungen
  Wandelberts.  Jeuer  ist  in  Vergleichung  mit  letzte—
rem  offenbar  Quelle.  Dem  Wesentlichen  meiner  Bemerkung
würde  es  nichts  schaden,  wenn  selbst  auch  der  Name  des
Bischofs  falsch  wäre,  so  wenig  als  sic  durch  die  Unwahrheit
des  ganzen  Facti  verliert.  Jetzt  zur  Analysirung  der  Sache
selbst.