220

gute  und  böse  Mittel  (Moralitaͤt  der  Mittel  aber  ist  bier
nicht  die  Frage,  sondern  von  dem  intendirten  und  erreichten
Endzweck  ist  die  Rede)  endlich  dahin  herabgestimmt,  daß
durch  sie  nicht  alle  Freiteit  des  Bürgers  unterdruͤckt  ward,
der  Regent  nicht  als  „General  einer  Armee  handlen  konnte,
sondern  sich  nach  und  nach  an  denjenigen  Ton  gewoͤhnen
mußte,  worin  ein  Regent  mit  seluem  Volk  sprechen  soll.
Wenn  niemand  mehr  ein  Wort  sprechen,  und  dem  Despoten
  eine  Vorstellung  machen  durfte,  so  war  es  der  Belchtvater
  oder  die  Reichsgeistlichkeit  in  corpore.  Und  wenn
sie  sich  auch  nicht  selbst  an  den  König  getrauten,  so  wußten
sie  den  Ministern  das  Gewissen  zu  schärfen,  und  wenn  auch
dieser  seinen  Bischof  nicht  als  den  Boten  ewiger  Seligkeit
oder  Verdammung  ansah,  so  kamen  doch  die  Fälle  gar  zu
oft,  wo  der  Minister  der  Hülfe  des  Bischofs  wiederum  udtbig
  hatte:  er  mußte  sich  also  sehr  ungern  mit  ihm  abwersen.
  Wo  Freiheit  in  irgend  einem  der  heutigen  europäischen
Reiche  ist,  und  zwar  Freiheit,  die  sich  auf  alte  Verträge
und  Staatsverfassung  gründet,  da  ist  sie  Werk  des  Clerus;
und  da  bei  allem  Einfluß  des  Clerus  auf  Regierung  und
Staatsverfassung  die  besten  und  größten  unserer  teutschen
Regenten  von  manchen  Unmenschlichkeiten  nicht  konnten  zurückgebracht
  werden:  (wie  verfuhr  Karl  der  Große  mit  seinen
  Bruderssbhnen,  Ludwig  mit  seinem  Bruderssohn  Bernbard!
  wie  mußte  nicht  Ott  der  Große  von  seiner  Geistlichkeit
  gelenkt  und  geleitet  werden!)  so  ist  leicht  zu  schließen,
welcher  orientalische  Despotismus  alle  unsere  europäischen
Rciche  verheert  haben  würde,  weun  nicht  diese  dritte  Macht
sowohl  die  Foderungen  des  Volks  gemäßigt,  als  die  Anmaßungen
  der  Regenten  eingeschränkt  hätte.  Daß  sich  der
Clerus  bei  diesem  allem  niemals  selbst  vergessen  habe,  läugne