224

Eintracht,  also  anch  mehr  Wirksamkeit  zum  allgemeinen
Wohl  moͤglich  gemacht  wuͤrde.  Was  liegt  der  Welt  daran,
ob  es  noch  Dynasten  von  Cranichfeld  oder  Dynasten  von
Hurningen  gibt,  ob  noch  Grafen  von  Cappenberg,  Bomeneburg,
  Nolke,  Wasungen  u.  s.  w.  eristiren  oder  nicht:  aber
das  ist  für  das  Wohl  von  Teutschland  interessant,  daß  sich
jetzt  unter  dem  Namen  des  Herzogthums  Wirtemberg  gleichsam
  ein  ganzer  Klumpen  ehmaliger  kleiner  Dynasten  und
Grafen  vereinigt  hat,  und  dieser  Staatskörper,  in  welchem
jetzt  nur  ein  Geist  lebt,  bei  weitem  schneller  und  glücklicher
gebildet  werden  kann,  als  ehmals,  da  jedes  Stadt  und  Amt,
das  jetzt  nur  Glied  ist,  für  sich  selbstständiger  Koͤrper  war.

g.  6,

Der  bitterste  Vorwurf,  den  man  dem  Clerus  des  mittlern
  Zeitalters  macht,  ist  gemeiniglich  dieser,  daß  durch  ihn
der  Forkgang  in  den  Wissenschaften  gehindert,  Barbarei  privilegirt,
  und  das  Volk  aus  interessirten  Absichten  muthwillig
  in  der  Unwissenheit  erhalten  worden.  Da  ich  mich  hier
einzig  darauf  einschränke,  zu  zeigen,  wie  viel  der  Clerus
selbst  den  Zeiten  genützt  habe,  die  wir  als  unglückliche  bedauern,
  so  gedenke  ich  dessen  gar  nicht,  daß  man  alle  Abschriften
  der  alten  Auktoren,  alle  Ueberbleibsel  historischer
Nachrichten  aus  dem  mittlern  Zeitalter,  alle  Urkunden,  worauf
  das  Wohl  und  die  Macht  mancher  unserer  jetzigen  teutschen
  Staaten  beruht,  einzig  dem  Fleiße  des  Clerus  zu  danken
  hat:  sondern  ich  werde  einzig  zu  erweisen  suchen,  daß,
wenn  der  Clerus  nicht  gewesen  wäre,  ganz  Teutschland  in
eine  siebenfach  tiefere,  bei  weitem  unüberwindlichere  Finsterniß
  gesunken  seyn  würde.  Erstlich  ist  diese  Klage  in  der
Allgemeinheit,  wie  man  sie  gemeinlich  vorbringt,  völlig  hi-