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drei  Jahrhunderte  lang  unermädet  kommentirt  wurde.  Theils
schon  seine  Zeitgenossen,  kheils  noch  mehr,  etliche  Theologen
des  folgenden  Zeitalters  wollten  zwar  einige  dogmatische  Unrichtigkeiten
  in  seinen  Sentenzen  finden;  die  Pariser  Fakultät
verurtheilte  wirklich  auch  mehrere  Sätze  derselben  2):  aber  die
hier  angeführte  Meinung  von  der  Nothwendigkeit  des  Abendmahls
  unter  beiden  Gestalten  ist  nicht  darunter;  also  auch
diejenigen,  welche  doch  darauf  ausgiengen,  Hoterodorien  bei
dem  Lombardus  zu  finden,  unterstunden  sich  doch  nichr,  diesen
  Satz  anzuzeichnen.  Es  muß  so  ganz  unstreitig  angenommene
  Lehre  gewesen  seyn,  daß  Brod  und  Wein  im  Abendmahl
  genossen  werden  muͤssen.

Ein  noch  aͤlterer  Pariser  Theologe,  der  durch  seinen  Schüler
  Abaͤlard  beruͤhmte  Wilhelm  (A),  erklaͤrte  es  zwar  geradehin
  fuͤr  Ketzerei,  wenn  man  nicht  glauben  wolle,  daß  unter
dem  Brod  oder  unter  dem  Wein  der  ganze  Christus  genossen
werde:  aber  er  versichert  zugleich,  daß  die  Kirche  das  Sakrament
  unter  beiderlei  Gestalten  unverändert  beibehalten  habe,
um  sich  das  Leiden  Christi  desto  lebhafter  darzustellen.  Und
ein  berühmter  Theologe  zu  Lüttich,  Zeitgenosse  des  Petrus
Lombardus,  ein  Mann,  der  sonst  gewiß  in  der  Lebre  vom
beiligen  Abendmahl  Elferer  für  seine  Dogmatik  war,  erklärte
geradehin  (B):  Es  sey  nicht  recht,  Brod  ohne  Wein,  oder
Wein  ohne  Brod  zu  genießen.

Die  angesehensten  Lehrer  der  französischen,  italienischen
und  deutschen  Kirche  kennen  in  der  Mitte  des  zwölften  Jahrhunderts
  noch  gar  keine  Entziehung  des  Kelchs,  und  drücken
sich  so  aus,  daß  man  deutlich  sieht,  sie  würden  dieselbe
äußerst  migbilligt  haben,  wenn  sie  sie  je  gekannt  hätten.

6)  Man  findet  diesen  catalogum  errorum  gewöhnlich  hinter  jeder
Oktavausgabe  des  Lombardus.