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nun  die  roͤmische  Kirche  nimmt,  in  dem  bekannten  Kanon
der  Lateranischen  Synode  noch  gar  nicht  entschieden  sey.  Ungefähr
  um  das  Jahr  130é4  stellte  ein  Dominikaner  Johann
zu  Paris  die  Hypotbese  auf,  Brod  und  Wein  könne  vielleicht
im  Abendmahl  eben  so  mit  dem  Leib  und  Blut  Christi  vereinigt
  seyn,  wie  die  göttliche  Natur  unsers  Erlösers  mit  der
menschlichen.  Er  versichert  dabei,  seine  Meinung  sogleich  aufzugeben,
  sobald  man  ihm  beweisen  könne,  daß  durch  irgend
ein  Kirchengesetz,  es  sey  Synodalschluß  oder  päbstliche  Konstitution,
  die  damals  herrschendere  Meinung  der  Transsubstantiation
  befohlen  sey.  Die  Sache  kam  zu  Paris  vor  das
Collegium  magistrorum  Theologiæ,  und  dieses  gab  dem
Deminikaner  recht,  erklärte  denjenigen  für  anathematisirt,  der
behaupte,  es  sey  Glaubensartikel,  entweder  Transsubstantiation
  anzunehmen,  oder  sich  zu  obiger  Hypothese  der  Assumtion
  zu  bekennen.  Johann  war  so  getrosten  Muths,  und
bielt  sich  seiner  Sache  so  versicher#,  daß  er  sogar  nach  Rom
appellirte,  als  ihmn  Bischof  Wilhelm  von  Paris  wegen  Heterodorie
  das  Lehramt  untersagen  wollte  ).

So  gar  nicht  also  hielt  man  selbst  auch  nur  dasjenige  für
entschieden  durch  die  Lateranische  Synode,  was  wir  gewöhnlich
  eigentlich  als  ihr  Werk  ansehen.  Noch  weniger  gewiß
ist  ihr  Einfluß  auf  die  Schicksale  des  Kelchs  ?o).  Wenn

*)  Die  Akten  bieser  Streitigkeit  finden  sich  in  dArgentre  Collectione
  judiciorum  de  novis  errorihus  T.  I.  pag.  264.  Vergl.
Histoire  de  PEucharistie.  Amsterd.  1669.  pag.  579.  elc.

vo)  Innocenz  III.  selbst  zeigt  recht  genau,  wie  man  die  Lehre  von
der  Transsubstantiation  und  Concomitanz  nicht  dahin  deuten
solll,  daß  es  überflüssig  sey,  beide  Gestalten  zu  genießen.  De
mysteriis  sacri  allaris  L.  IV.  cap.  21.  und  es  finden  sich,  wie
schon  Sarpi  (Gesch.  der  Trientschen  Syn.  VI.  B.  s.  104)  bemerkt
  hat,  in  seinen  eigenen  Schriften  Spuren,  daß  zu  seiner
Zeit  die  Weiber  bei  dem  Abendmahl  den  Kelch  empftengen.