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um  diese  Zeit  eine  gewisse  scholastische  Hypothese  oder  eine  gewisse
  Gewohnheit  einzelner  Kirchen  zur  allgemeinen  Orthodorie
  und  zum  allgemeinen  Ritual  werden  sollte,  so  gieng  es
nicht  mehr  durch  Synodalschlüsse,  wie  im  fünften  und  sechsten
  Jahrhundert.  Wir  haben  kaum  oben  gesehen,  wer  diejenigen
  sind,  deren  Stimme  jetzt  bedcutender  geworden  ist,  als
das  Urtheil  der  Bischöfe.

Die  Sache  ist  noch  einer  sorgsältigern  Betrachtung  werth,
um  den  Weg,  auf  welchem  sich  der  schöne  Einsoll  der  englischen
  Theologen  weiter  fortpflanzte,  desto  gewisser  zu  treffen.

9.  6.

England  und  Frankreich,  Frankreich  und  Italien  waren
in  allzu  genauen  politischen  und  kirchlichen  Verbindungen  unter
  einander,  daß  nicht  Meinungen  und  Gewohnheiten,  welche
die  englische  Kirche  zuerst  in  Uebung  brachte,  sogleich  auch
nach  Paris  getragen  und  dort  bekannt  worden  wären.  Und
wie  ohne  Bedenken  mußten  sie  nicht  angenommen  werden,
wenn  ohnedieß  in  der  ganzen  Gesinnung  des  Zeitalters  alles
so  vorbereiter  war,  daß  nur  einer  fehlte,  der  einmal  anfieng.

Die  dußere  Verehrung  des  Sakraments  hatte  durch
manche  neu  ausgekommene  Ceremonien  nun  die  höchste  Stufe
erreicht.  Die  Sorgfalt,  daß  kein  Tropfen  des  geheiligten
Weins  verloren  gehe,  konnte  also  nicht  boch  genug  getrieben
werden;  Kindern  wurde  nun  erst  seit  der  Mitte  des  zwölften
Jahrhunderts  das  Abendmahl  gar  nicht  mehr  gegeben  *);  selbst
dem  Priester  wußte  man  nicht  Regeln  genug  vorzuschreiben,
mit  welcher  Vorsicht  er  das  Sakramem  behandeln  solle.  Wenn
er  in  einem  Tag  zwei  Messen  las,  so  sollic  er  nicht  beide-»)

  Eine  Veränderung,  welche  eben  so  groß  ist,  als  die  Einführung
der  Communion  unter  einer  Gestalt.
Spittlers  sämmtl.  Werke  VIII.  Bd.  21