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mit  sorgloser  Unschuld  dem  Gutduͤnken  seines  Priesters  uͤberließ.
  Nicht  einmal  bei  großen  Stadtgemeinen  fieng  man  an.
Auch  dieser  ihr  Murren  oder  Schreien  haͤtte  zu  fruͤh  allgemeine
  Aufmerksamkeit  wecken  koͤnnen.  Am  sichersten  schien
es  bei  kleinern  Landgemeinen,  oder  bei  den  kleinern  Kirchen
und  Capellen  in  den  Staͤdten  anzufangen,  wo  sich  auch  schicklicherer
  Vorwand  fand,  die  Neuerung  einzufuͤhren.  Dem  Priester
  ber  solchen  Dorsgemeinen,  weil  doch  kein  Lanfranc  und
Anshelm  Dorfparochus  wurde,  traute  man  selbst  nicht  so  viel
Aufmerksamkeit  zu,  daß  nicht  bei  dem  Genuß  des  heiligen
Weins  bisweilen  cin  Fehler  vorgehen  sollte.  Die  Dorfgemeine
  wurde  geradehin  für  roher  und  ungesitteter  oder  für
beidnisch  abergläubischer  angenommen,  daß  absichtlicher  oder
nachlaͤßiger  Mißbrauch  des  Kelchs  besorglicher  zu  seyn  schien.
Wahrscheinlich  wurde  die  Entziehung  des  Kelchs  bei  den
großen  feierlichen  Communionen  auch  viel  später  gewoͤhnlich.
Schon  da  die  neue  Gewohnheit  fast  allgemein  geworden  zu
seyn  schien,  blieb  doch  an  vielen  Orten  der  Gebrauch  des  gesegneten
  Weins  bei  der  großen  Ostercommunion.  Was  kann
man  nicht  dem  Volke  nehmen,  wenn  man  es  ihm  nur  nach
und  nach  nimmt!

Nach  diesen  Epochen  scheint  sich  die  neue  Gewohnheit
der  Entziebung  des  Kelchs  nach  und  nach  in  Frankreich  und
Italien  ausgebreitet  zu  haben.  Und  wir  arme  Deutsche!  Wo
ist  denn  der  Fall  in  der  ganzen  Geschichte,  daß  wir  uns
nicht  durch  das  Beispiel  der  Engländer,  Franzosen  und  Italiener
  hätten  leiten  lassen?  In  der  Periode,  wo  die  Entziehung
des  Kelchs  aufkam,  hatten  wir  ohnedieß  sogar  nicht  einmal
eine  eigene  Universstät,  also  nicht  einmal  das,  was  doch  damals
  ungefähr  noch  der  erste  Schritt  zu  einiger  litterarischen
Selbstständigkeit,  gewesen  wäre.  Waren  aber  auch  noch  bie
und  da  bei  Klbstern  und  Stiftsschulen  berühmte  Männer,

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