Schon  zu  Ende  des  vierzehnten  Jahrhunderts  machte  ein
Prediger  zu  Prag,  Matthias,  große  Bewegungen,  dem  Volk
seine  Rechte  wieder  herzustellen.  Er  hielt  auch  wirklich  Communion
  unter  beiden  Gestalten.  Sein  Bischof  wies  ihn  aber
zum  Gehorsam.  Er  mußte  auf  einer  Prager  Synode  im
Jahr  1589  widerrufen,  und  noch  im  Jahr  1410  wurden  seine
Schriften  mit  den  Schriften  anderer  Ketzer  verurtheilt?).  Es
scheint  eine  Wirkung  der  Aufklärung  gewesen  zu  seyn,  welche
man  der  neu  errichteten  Universität  zu  Prag  zu  verdanken  hat,
daß  besonders  in  Böhmen  alles  so  rege  wurde.  Im  ganzen
übrigen  Deutschland  war  tiefe  Todesruhe.  Bei  der  häufigern
Verbindung  Böhmens  und  Frankreichs  war  in  dem  erstern
Königreich  ein  Geist  litterarischer  und  kirchlicher  Thaͤtigkeit
erwacht,  der  das  bisherige  Joch  unmöglich  mit  Geduld  tragen
konnte.  Aber  drückend  hart  war  es,  daß  die  Kirche  auch  gegen
  den  ausgeklärtern  Theil  ihrer  Mitglieder  eigensinnig  auf
ihrer  einmal  angenommenen  Gewohnheit  bestand.  Unter  denjenigen,
  welche  sich  damals  den  Kelch,  den  ihnen  der  Priester
so  gern  gegeben  hätte,  durch  den  Ausspruch  der  Obergeistlichkeit
  entreißen  lassen  mußten,  war  gewiß  mancher,  der  sich  erinnern
  konnte,  daß  er  selbst  oder  wenigsiens  sein  Vater  den
Kelch  noch  getrunken  habe,  daß  bei  feierlichen  Gelegenheiten
Brod  und  Wein  unter  alle  Communicanten  mit  böllig  unpartheiischer
  Gleichheit  ausgetheilt  worden.  Wie  Karl  .
im  Jahr  1347  mit  seiner  Gemahlin  Blanka  als  König  in
Böhmen  zu  Prag  gekrdnt  worden,  so  empfiengen  noch  beide
den  Leib  und  das  Blut  Christi  ?"):  und  dreißig  Jahre  nach-*)

  van  der  Hardt  acta  Conc.  Constam.  Tom.  III.  Prolegom.  pag.  20.
**)  Pelzel,  Leben  Karls  des  IV.  1.  Theil.  S.  180.

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