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hatte  ehemals  zu  Prag  studirt,  und  suchte,  da  er  nun  sonst
keine  bleibende  Stätte  hatte,  sein  Brod  mit  Informiren  zu
verdienen.  Eine::  Freund  der  Waldenser  konnte  es  am  leichtesten
  einfallen,  zu  fragen:  ist's  auch  recht,  daß  die  katholische
Kirche  dem  Layen  den  Kelch  verweigert?  Peter,  um  seinen
Einfall  desto  genauer  prüfen  zu  lassen,  geht  zu  dem  nach  Hussen
  damals  berühmtesten  Lehrer  der  Theologie  zu  Prag,  Jakobellus,
  und  bezeugt  diesem  seine  Verwunderung,  daß  der
große  Mißbrauch  nicht  bemerkt  werde,  der  sich  mit  Entziebung
  des  Kelchs  in  der  Kirche  eingeschlichen  habe.  Unerwartet
  vorgehaltene  Wahrheiten  schlagen  sonst  mit  der  ihnen  ganz
eigenen  Stärke  in  der  Seele  ein,  man  fühlt's  innigst,  daß
nicht  weiter  nörhig  war,  als  nur  die  Sache  zu  hören.  Aber
so  unbefangen  war  Jakobellus  nicht.  Er  schlägt  erst  weiter
nach,  ehe  er  seinem  Freunde  Glauben  zustellt.  Vielleicht  in
der  Bibel?  So  weit  war  man  damals  noch  nicht  gekommen,
um  in  dieser  die  Wahrheit  zuerst  zu  suchen,  um  in  dieser  die
Wahrheit  emscheidend  zu  finden.  Die  unächten  Werke  des
Dionysius  des  Arropagiten  und  die  Briefe  des  Cyprian  fallen
ihm  in  die  Hände;  weil  er  in  diesen  finder,  daß  zu  ihrer
Jeit  der  Kelch  allgemein  ausgetheilt  worden  sey,  so  ist  er  nun
ganz  auf  der  Seite  seines  Freundes,  und  fängt  sogleich  an,
das  Abendmahl  unter  beiden  Gestalten  zu  reichen  2).

g.  20.

Zu  gelegenerer  Zeit  haͤtte  diese  neue  dogmatische  Revolution
nicht  kommen  können.  Was  schon  sast  ein  Jahrhundert  lang
Sehnsucht  aller  Patrioten  der  Kirche  gewesen  war,  was  bei
wiederholten  Versuchen  bisher  so  oft  mißlang,  und  mit  jedem

*)  Aencas  Sylrius  histor.  Bohem.  vergl.  mit  van  der  Uardt  acta
Conc.  Constam.  T.  III.  Prolegom.  pat.  18.