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Gewobnheit  nothwendig  sey.  Es  kostete  Muͤhe,  bis  man  sich
von  der  Idee  losarbeitete,  daß  doch  im  Empfang  des  ganzen
Sakraments  mehr  Guade  enthalten  sey,  als  beim  Genuß  des
Brods  allein.  Man  machte  nur  nach  dem  herrschenden  Geist
jenes  Zeitalters  vielfache  Aumerkungen  daruͤber,  daß  doch  nicht
uͤberall  Wein  zu  bekommen  sey,  daß  es  so  schwer  halte,  konsekrirten
  Wein  aufzubewahren,  weil  er  gar  zu  leicht  sauer
werde,  daß  manche  Menschen,  natuͤrlicher  Abneigung  halber,
den  Wein  gar  nicht  schmecken  koͤnnten,  also  doch  nur  unter
einer  Gestalt  communiciren  müßten.  Mit  diesen  Gründen
wechselte  man  bis  zu  Ende  des  vierzehnten  Jahrhunderts.  Nun
war's,  als  ob  mit  einemmal  die  Geister  erst  erwacht  wären,
und  erst  entdeckt  hätten,  wie  das,  wozu  sie  so  ganz  zufällig
gekommen  waren,  kraft  des  ganzen  Systems  äußerst  nothwendig
  sey.  Selbst  der  fromme  Gerson  fand  ein  halb  Duzend
  Gründe  mehr,  als  man  vor  ihm  gewußt  hatte,  und  ließ
sich  in  Beweise  ein,  die  uns  von  seinem  Charakter  eine  schlechte
Meinung  machen  muͤßten,  wenn  nicht  durch  so  viele  Veispiele
der  Geschichte  klärlich  bewiesen  wäre,  wie  unschädlich  oft  die
schädlichsten  dogmatischen  Meinungen  in  einer  gewissen  Seele
liegen  können  5).
6.  26.

Der  eigene  Vorgang  Ehristi  war  immer  einer  der  stärksten
  Einwürfe  gegen  die  neue  Gewohnheit  der  Kirche.  Gewöhnlich
  antworteten  die  Vertheidiger  der  letztern,  daß  Christus
  hier  bloß  seine  Apostel  communicirt  habe,  die  Repräsentanten
  aller  känftigen  Lehrer  der  Kirche.  Wenn  der  Herr

*)  Die  nachfolgenden  Beweise  für  die  Communion  unter  eliner
Gestalt  sind  aus  den  Schriften  ercerpirt,  welche  im  drirten
Bünde  der  Akten  des  Costnizer  Concilium  enthalten  Ssind.  Meistens
  finden  sie  sich  in  der  Schrift  des  Canzlers  Gerson.

Spittlers  sämmel.  Werke  VIII.  Bd.  23