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sich  überhaupt  der  Laye  einbilden  soll,  so  viel  werth  zu  seyn,
als  der  Priester?  Wer  sollte  es  glauben,  daß  Gerson,  der
fromme  Gerson,  in  seinem  Widerspruch  so  weit  gieng,  den
Genuß  unter  beiden  Gestalten  als  ein  Verbrechen  anzusehen,
das  ewige  Verdammung  nach  sich  ziehe  2

Lauter  solche  Gründe  und  noch  viel  mehrere  kann  man

in  den  Schriften  entwickelt  finden,  welche  zu  den  Zeiten  der
Costnizer  Synode  zur  Vertheidigung  der  einmal  angenommenen
  Gewohnheit  geschrieben  wurden.  Wer  hätte  noch  im
zwolsten  Jahrhundert  geglaubt,  daß  sich  so  gar  viele  Gründe
für  die  Communion  unter  einer  Gestalt  würden  finden  lassen;
  wie  hat  sich  die  Gestalt  und  Anzahl  aller  dieser  Gründe
wieder  geändert,  bis  sie  sich  recht  an  Bossuets  schöpferischen
Witz  anzuschmiegei  wußten.  Das  hätte  der  Bischof  von
Meaur  gewiß  nicht  nachgesagt:  wir  sind  viel  klüger  geworden,
  als  die  erste  Kirche.  Mau  muß  erst  viele  Polemiker  vor
sich  gehabt  haben,  ehe  man  recht  zusammenhängend  und  so
polemisiren  lernt,  daß  man  nicht  sein  eigenes  System  untergräbt.
  Aber  der  Möhe  werth  ist's  doch,  hier,  ehe  wir  weiter
fortschreiten,  einen  Blick  auf  die  wichtige  Veränderung  zurückzuwerfen,
  welche  ans  dem  großen  Einfluß  entsprang,  den  nun
die  Doktoren  und  Scholastiker  auf  die  dffemlichen  Kirchenentscheidungen

  hatten.

g.  28.

Die  Bischoͤfe  waren  schon  seit  etlichen  Jahrhunderten,
besonders  in  Deutschland,  solche  Herren  geworden,  daß  sie
sich  um  Religion  und  Theologie  wenig  bekuͤmmerten.  Ein
Bischof  von  Mainz  hatte  mit  seinen  Kaiserwahlen  und  Kaiserent
  setzungen,  mit  Reichstägen  und  Reichshoͤfen  zu  thun,  daß
er  nicht  einmal  seine  Provincialsynoden  richtig  zu  halten
wußte,  viel  weniger  in  gelehrten  theologischen  Kenntnissen