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Orient  in  den  Occident  drehte,  so  war  man  nicht  nur  wegen
der  Unwissenheit  der  occidentalischen  Bischoͤfe  vor  dogmatischen
Streitigkeiten  lange  Zeit  sicher  —  die  Synodalschluͤsse  sind  in
dieser  Periode  meistens  Polizeiverfuͤgungen  der  Kirche  —  sondern
der  Bischof  war  uͤberhaupt  mehr  Lehensmann  als  Theologe.
Aber  in  der  letztern  Haͤlfte  des  eilften  Jahrhunderts  traten
die  Lehrer  der  großen  Stiftsschulen  in  gleiche  dogmatische
Eifersucht  ein.  Diese  Eifersucht  wurde  bei  dem  Entstehen  der
Universitaͤten  durch  das  jetzt  beständig  fortdauernde  persoͤnliche
  Zusammentreffen  der  geuͤbtesten  theologischen  Streiter
auf  das  heftigste  gereizt,  hätte  aber  gewiß  keinen  Schaden  gehabt,
  wenn  der  Bischof,  in  theologischen  Mcinungen  selbst
nicht  ganz  unerfahren,  über  die  Hypothesen  hätte  urtheilen
können,  welche  der  Scholastiker  als  höchst  wichtige  Glaubensartikel
  ansah.  Nun  war  aber  eben  der  Scholastiker,  der  mit
seinem  Gegner  bis  zu  Heißerkeit  disputirt  hatte,  zugleich  auch
die  Seele  der  Synoden.  Es  wurden  also  Hypothesen  einzelner
  scholasiischer  Sekten  in  den  Rang  der  Glaubensartikel
erhoben,  über  deren  Beobachtung  mit  Feuer  und  Schwert
gehalten  wurde.
6.  29.

Es  zeigt  sich  in  der  Geschichte  der  hier  erzählten  dogmatischen
  Veränderungen,  daß  es  vorzüglich  Pastoren  waren,
welche  den  Mißbrauch  der  Enziehung  des  Abendmahlkelchs
wahrnahmen.  Matthias,  der  die  Sache  noch  vor  Jakobellus
rege  machte,  Jakobellus  selbsi,  sein  erster  Anhänger  Rzepanski
und  noch  mehrere  von  den  ersten  Freunden  der  Wiederherttellung
  des  Kelchs  waren  Prediger  zu  Prag.  Hingegen  alle
diejenigen,  welche  sich  besonders  gleich  anfangs  am  heftigsten
widersetzten,  mit  Schriften  und  persönlichem  Ansehen  dagegen
fochten,  waren  —  Professoren.  Broda  und  Maurikius  waren
Professoren  der  Theologie  zu  Prag;  Nikolaus  von  Dünkel-