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die  Menschen  aller  Staͤnde  über  das  am  wenigsten  nachdenken,
  was  ihnen  durch  beständige  Gewohnheit  alltaͤglich  wurde.
Man  ließ  die  Gemeine  gewöhnlich  nach  der  Communion  das
bekannte  alte  Lied  singen:  „Gott  sey  gelobet  und  gebenedeiet,
„der  uns  hat  gespeiset  mit  seinem  Fleische  und  mit  seinem
„Blute.“  Sie  dankten  alle  für  den  Genuß  des  gesegneten
Kelchs,  und  keines  von  allen  hatte  den  Kelch  getrunken?).
Die  Gemeine  sang  das  Lied  deutsch,  und  sang  es  selbst  zu
den  Zeiten,  wie  man  durch  die  böhmischen  Unruben  auf  alles
bäne  aufmerksam  gemacht  werden  sollen,  was  die  Geschichte
des  Abendmahlkelchs  betraf.  Aber  die  Lehre  von  der  Concomitanz
  war  wohl  das  sicherste  Hülfsmittel,  solche  halbverblichene
  Spuren  der  Wahrheit,  als  Spuren  der  Wahrheit,  unkenntlich
  zu  machen.  Manche  andere  Gewohnbeiten,  welche
erst  an  verschiedenen  Orten  bei  Haltung  des  Abendmahls  beobachtet
  wurden,  waren  eben  solche  dunkse  Anspielungen  auf
jenen  ehemals  glücklichern  Zustand  der  Kirche,  da  Christi  Ge,
bot  von  Menschensatzungen  noch  nicht  verdrängt  war.  Die
Carthäuser  mischten  immer  ein  wenig  gesegneten  Wein  unter
den  gemeinen  Wein,  der  dem  Volk  gegeben  wurde  5#).  Der
König  in  Frankreich  genoß  noch  immer  den  Kelch  bei  seiner

*)  Riederer,  Abhandlung  von  Einführung  des  teutschen  Gesangs
in  die  evangelisch-lutherische  Kirche.  Nürnberg,  1759.  8.  S.
77,  wo  diese  Bemerbung  ans  Luther's  Schrift  von  der  Winkelmesse
  und  Pfaffenweihe  angeführt  wird.  Selbst  im  Meßtanon
  der  römischen  Kirche  ist  eine  deutliche  Stelle,  welche  voraussetzt,
  daß  alle  Communicanten  den  Kelch  trinken,  (.  Lilien—
thal  de  canone  Mlissac  Gregoriano.  p.  147.  154.  Wegen  der
Mozarabischen  Liturgie  vergl.  eine  ähnliche  Bemerkung  bei  Dallœus
  de  eultihus  religiosis  latinorum.  pag.  657.

**)  S.  die  von  Calixtus  (de  Commun,  sub  utradue,  pag.  294.)
ercerpirte  Stelle  des  Antonius  von  Palermo,  der  im  J.  1471
starb.