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wie  sich  ihre  Begriffe  nach  und  nach  aus  der  Daͤmmerung
hervorkaͤmpften.  Weil  die  Boͤhmen  den  Kelch  im  Abendmahl
genossen,  und  die  Boͤhmen  fuͤr  Ketzer  gehalten  wurden,  deren
Andenken  um  so  verhaßter  war,  da  sie  den  Deutschen  ihre
soldatische  Bekehrungssucht  einigemal  sehr  uͤbel  vergolten  hatten:
  so  war  wenigstens  ein  großer  Theil  des  Volks  gegen  den
Genuß  des  Kelchs  auf  das  äußerste  eingenommen,  und  zum
Theil  aus  den  lächerlichsten  Gründen  gegen  denselben  eingenommen,
  wie  denn  Einige  damals  sehr  scharffinnig  schloßen,
weil  nur  ein  Gott  sey,  so  dürfe  auch  nur  eine  Gestalt  im
Sakrament  seyn  ?).

Erst  im  Jahr  1549,  also  zwei  Jahre  nach  den  ersten
Reformationsbewegungen,  that  Luther  den  ersten  Anwurf  in
einer  Predigt,  worin  er  den  Wunsch  éußerte,  daß  die  Kirche
auf  einer  allgemeinen  Synode  den  Genuß  beider  Gestalten
sowohl  den  Layen  als  den  Piiestern  erlauben  möchte.  Nicht
daß  er  den  Genuß  beider  Gestalten  für  nothwendig  gehalten,
nicht  daß  ihm  Unverbrüchlichkeit  der  Einsetzung  Christi  zum
Grund  seines  Wunsches  gedient  hätte,  sondern  es  schien  ihm
ziemlich  und  fein,  so  des  Sakraments  Gestalt  und  Form  oder
Feichen  nicht  stücklich  eines  Theils,  sondern  ganz  gegeben
würde  (7).  Niemand  nahm  gröberes  Aergerniß  an  dieser  so
bescheiden  geäußerten  Meinung  Luther's,  als  Herzog  Georg
von  Sachsen.  Dieser  beklagte  sich  in  einem  eigenen  Schreiben
an  den  Churfürsten,  wie  weit  sein  Witenbergischer  Theolog
fortzuschreiren  anfange,  und  wie  alles  zuletzt  darauf  ankommen
  werde,  daß  auch  Sachsen  von  den  Irrthümern  der  Böhmen
  nicht  mehr  frei  bleibe.  Friedrich  der  Weise,  der  überhaupt
  seine  Hand  in  den  theologischen  Streitigkeiten  gar  nicht
haben  wollte,  versicherte  seinem  Vekter,  Luthern  selbst  seine

*)  Seckendorf,  histor.  Lutheran.  L.  III.  fol.  71.