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pendium,  wo  man  es  doch  nicht  mehr  so  sehr  mit  Schwachen
  zu  thun  hatte,  viel  positiver  haͤtte  sprechen  koͤnnen,  als
in  Schriften  fuͤr  das  Volk,  oder  fuͤr  den  großen  Haufen  seiner
  Seelsorger.
Wabrscheinlich  hat  aber  doch  diese  Gelindigkeit  unserer
Reformatoren  in  einer  Sache,  wo  das  Volk  gar  leicht  bis
zur  Erbitterung  hätte  gereizt  werden  können,  der  Ausbreitung
der  Wahrhcit  vorzüglich  genätzt.  Schon  im  Jahr  4524  durften
  sie  es  auf  dem  Reichstag  zu  Nürnberg  wagen,  ungeachtet
aller  Protestationen  des  Kdnig  Ferdinand's  und  des  päpfstlichen
  Legaten,  Abendmahl  unter  beiden  Gestalten  im  dasigen
„Augustinerkloster  zu  halten.  Mehr  als  vierrausend  Personen
genossen  dasselbe.  Selbsi  die  Schwester  des  Kaisers,  die  Gemahlin
  des  vertriebenen  Königs  von  Dänemark;  viele  von
Ferdinand's  Hofleuren  und  cinige  vom  Reichsregiment  ließen
sich  unter  beiden  Gestalten  #ommuniciren  ?).  Carlstadt's  siuͤrmischer
  Reformationseifer  und  seine,  wie  es  buther'n  noch  im
Jahr  4522  schien,  allzuvoreilige  Einführung  der  unverfälschteren
  Sitte  mögen  den  sonst  so  seurigen  Luther  hier  sehr  bedachtsam
  gemacht  haben.  Und  man  darf  es  wohl  nicht  als
eigentliche  Meinung  dieses  großen  Mannes,  sondern  nur  als
feurig  ausgedrückte  Erbitterung  über  den  Zwang  menschlicher
Aukrorität  ansehen,  wenn  er  im  Jahr  1526  in  seiner  Weise
chrisilicte  Messe  zu  halten  schreibt:  „Ja  wir  sagen  weiter,
„wo  sich  der  Fall  begebe,  daß  ein  Concilium  solchs  (beide
„Gestalten  zu  genießen)  setzt  und  zuließe,  wollten  wir  aller-.
  ding  nicht  beider  Gestalt  brauchen,  ja  wir  wollten  denn  erst.
„zu  Verachtung  beide  des  Concilii  und  seincs  Gebots  allein

*)  Seckendorf,  historia  Lutheranismi  Lib.  I.  S.  163.  add.  I.  pag.
289.  Spalatini  Diarium  ap.  Schelhorn  amoenit.  lilter.  Tom.  IV.
pag.  413.