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mahl  nicht  unter  einer  Gestalt  empfangen  wollte.  Noch  ebe
man  diesen  Befehl  vollziehen  konnte,  hatte  Luther  diesen  armen
Leuten,  die  in  einer  großen  Beängstigung  waren,  sehr  muthig
geantwortet.  nicht  gegen  ihre  Ueberzeugung  zu  handeln,  und
zu  beharren,  wenn  sie  sich  im  Gewissen  verbunden  glaubten,
das  Abendmahl  nicht  anders  als  ganz  zu  geniehen.  In  Luthers
  Brief  stunden  freilich  keine  Lobsprüche  des  abergläubisch
verfolgenden  Herzogs,  und  die  Kühnheit  mancher  Ausdrücke
beleidigte  den  letztern  so  sehr,  daß  er  Luthern  als  einen  Aufwiegler
  seiner  Unterthanen  bei  dem  Churfürsten  verklagte  9).
Es  war  doch  wirklich  seltsam,  daß  Herzog  Georgen  kein  Punkt
so  sehr  am  Herzen  lag,  als  die  Fortdauer  des  Abendmahls
unter  einer  Gestalt.  Er  polemisirte  darüber  auch  mit  den
Fürsten  von  Anhalt,  und  schrieb  sehr  erbittert  gegen  sie,  da
sie  durch  Luther's  Freund,  den  bekannten  Hausmann,  zu
Dessau  die  Communion  unter  beiden  Gestalten  einführen  ließen.

g.  33.

Fast  bei  jeder  wichtigern  Verhandlung,  wodurch  man  die
Freunde  der  neuen  Lehre  mit  der  alten  Kirche  zu  vereinigen
suchte,  war  die  Streitigkeit  wegen  des  Abendmahlhaltens  immer
  eine  der  gangbarsten.  Die  Entscheidung  wurde  aber  siets
auf  das  nächste  Konvent  oder  auf  die  bevorstehende  Synode
verschoben.  Die  Vertheidiger  der  alten  Kirche  wollten  mit  der
Gestattung  des  Kelchs  allen  ihren  übrigen  Irrthümern  eine
auf's  Neue  ruhige  Herrschaft  erkennen,  und  die  Freunde  der
neuen  Lehre  hatten  schon  gar  zu  klar  sehen  gelernt,  daß  man
nicht  nöthig  habe,  als  ein  Privilegium  sich  zu  erbitten,  was
man  als  Recht  fordern  könne.  Der  ganze  Punkt  war  über-*

  Seckendorf.  L.  III.  S.  XXI.
Spittlers  sämmtl.  Werke  VIII.  Bb.  24