456

wie  die  alle  zehn  Jahre  gehalten  werden  sollten,  aufs  Neue
geschärft.

Nie  war  noch  ein  so  seierlicher  Schluß  der  ganzen  Deutschen
  Kirche  gefaßt  worden.  Die  kaiserlichen  Gesandten  erklärten
  ihren  feierlichsien  Beitritt  im  Namen  des  Kaisers  und
des  Reiches;  der  Erz-Bischof  von  Mainz,  der  selbst  gegenwärtig
  war,  erklärte  sich  im  Namen  seines  Sprengels;  so
der  von  Cöln  und  der  von  Trier;  so  die  Gesandten  der  Erz=Bischöfe
  von  Salzburg  und  von  Magdeburg;  so  traf  eine
Erklärung  des  Erz-Bischofs  von  Bremen  ein;  die  ganze
Deutsche  Kirche  in  allen  ihren  Häuptern  war  einstimmig.
Man  blieb  sechs  Jahre  lang  diesem  einmal  gefaßten  Schlusse
treu,  der  Anhang  des  Pabsts  konnte  nicht  gedeihen,  die  Freunde
des  Conciliums  konnten  nicht  siegen,  kein  Pallium  wurde  gelöst,
  keine  Annaten  bezahlt,  keine  Dispensation  gesucht,  die
Wahl-Freiheit  der  Stister  blieb  ungekränkt,  es  war  ein  fünfjähriger
  Versuch,  dem  der  Pabst  nicht  bloß  Finanz  halber
länger  nicht  zusehen  konnte,  das  ganze  Geheimniß  mochte
verralhen  werden,  wie  leicht  sich  ohne  einen  Pabst  leben  lasse.

Pabst  Eugen,  der  treu  genug  unterrichtet  war,  wober
den  Deutschen  ihr  Muth  komme,  der  erst  abwarten  wollte,
welchen  Ausgang  die  einheimischen  Händel  der  Erz-Bischöfe
von  Cöln  und  von  Trier  haben  würden,  ob  ibn  nicht  eine
blurige  Fehde  von  diesem  oder  jenem  befreie,  ob  diesem  und
jenem  der  Muth  nicht  sinke,  Pabst  Eugen,  der,  durch  die
Nachrichten  des  kaiserlichen  Secretärs  Aencas  Piccolomini  verleitet,
  gar  zu  sanguinisch  zu  hoffen  anfieng,  wagte  einen  entscheidenden
  Pabstschlag,  er  entsetzte  die  Erz=  Bischöfe  von  Cöln
und  von  Trier,  er  vergab  ihre  Stifter  an  zwei  Vettern  des
Herzogs  von  Burgund,  er  zeigte  mit  einemmal  eine  ernstvolle
Emschlossenheit,  die  immer  noch  mehr  fürchten  und  jeden  der