457

übrigeh  Vertheidiger  der  schlaugewählten  Neutralität  sein  unvermeidliches
  Schicksal  sehen  lassen  sollte.

Doch  kaum  war  die  Nachricht  nach  Deutschland  gekommen,
  so  vereinten  sich  sämmtliche  Churfürsten  mit  einander,
und  ein  Bund  ward  geschlossen  *),  welche  Gesetze  dem  Pabste
vorzuschreiben  sepen,  wie  man  nun  erst,  wenn  er  noch  zaudere,
die  Deutsche  Acceptation  der  Basler  Decrete  feierlichst  zu  erkennen,
  selbst  trotz  dem  Kaiser  feierlichst  zur  Conciliums-Parthie
  übergehen  wolle,  wie  der  Pabsi  eine  neue  Synode  in  irgend
einer  von  fünf  vorgeschlagenen  Deutschen  Städten  auszuschreiben
  habe,  und  alle  Neuerungen  vorläufig  aufheben  müsse,  die
er  seit  acht  Jahren  und  jüngst  erst  gewagt  hätte.

Nach  Nom  gieng  eine  Gesandtschaft  der  Cburfürsten,
und  die  Deutschen  wollten  zum  erstenmal  politisch-schlau  mit
dem  Pabst  handeln.  Der  Pabst  sollte  nicht  wissen,  was  ihm
gedraͤuet  sey,  wenn  er  sich  nun  zum  letztenmal  von  den  Deutschen
  umsonst  bitten  lasse.  Man  wollte  ihn  noch  einmal  bitten,
  und  zum  letztenmal  bitten,  wahrscheinlich  beharrte  er
eigensinnig,  so  kündigte  man  ihm  feierlich  auf.  Doch  die
Entschlossenheit  der  Deutschen  ward  selbst  vom  Kaiser  verrathen,
  der  gewarnte  Pabst  sprach  so  milde  von  Unterhandlungen,
  zu  welchen  er  bereit  sey,  that  so  bereitwillig  zu  Eroͤffnung
  dieser  Negociation,  wenn  nur  doch  die  angekommenen
Gesandten  der  Churfürsien  hinlänglich  bevollmächtiget  wären,

daß  man  rein  vergaß,  wie  gar  nicht  von  Unterhandlung  die
Rede  seyn  könne,  daß  man  die  erste  Entschlossenheir,  eine
entscheidende  Antwort  haben  zu  wollen,  liebevoll  vergaß
—  den  gutmüthigen  Deutschen  entfielen  die  Waffen,  weil  sie
zum  erstenmal  ihren  Pabst-Herrn  bitten  hörten.  Der  mild-*)

  21.  Mirz  1446.  s.  Gudeni  Cod.  diplom.  T.  IV.  p.  290  —  208.