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nun  denselben  der  Beurtheilung  seiner  Herrn  Collegen  vor,
und  diese  waren  in  der  größten  Verlegenheit,  ob  sie  es  wagen
sollten,  eine  vom  Pabst  schon  gerichtere  Schrift  noch  einmal
zu  untersuchen.  Der  Erzbischof  von  Florenz  schlug  endlich
einen  Mittelweg  vor.  Man  sollte  die  Sache  in  einem  besondern
  Aufsatz  in  aller  Stille  dem  Großherzog  vorlegen.  Dieser
Aufsatz  aber,  der  auch  perferrtigt  und  schon  von  vierzehn,
theils  Erzbischdfen,  theils  Bischdfen  unterschrieben  wurde,  war
ein  so  wüthendes  Klag-Libell  gegen  den  Hirtenbrief,  daß  der
Bischof  von  Soana  seine  Unterschrift  durchaus  verweigerte.

Es  ist  kein  Wunder,  daß  der  Grohherzog  über  eine  so
unberamwortliche  Vereitlung  seiner  besten  Absichten  höchst  aufgebracht
  war.  Da  sich  die  Herru  Erzbischdse  und  Bischöfe
den,  5.  Juni  durch  eine  Deputation  bei  ihm  beurlauben  wollten,
  so  befahl  er,  daß  sie  allgesammt  bei  Hofe  erscheinen  sollten.
  Der  Erzbischof  von  Florenz  führte  bei  dieser  Abschieds-Audienz
  das  Work,  er  dankte  Seiner  Hoheit,  diese  Versammlung
  zur  Ehre  Gottes  und  zum  Frieden  der  Kirche  zusammenberufen
  zu  haben.  Hier,  da  er  vom  Frieden  sprach,  fiel  ihm
der  Großherzog  in  das  Wort,  und  sagte  mit  einem  ganz  entschlossenen
  Tone:

„Wohl,  meine  Herren,  das  hatte  ich  gehofft,  das  waren
„meine  sehnlichsten  Wünsche,  aber  ich  sehe  mich  getäuscht.  Die
„meisten  unter  Ihnen  haben  bei  ihren  Berathschlagungen  weder
„auf  Gottes  Ehre,  wie  sie  sagen,  noch  auf  Kirchenfrieden,
„noch  auf  gute  Kirchenzucht  gesehen;  Trug  und  Kabale  und
„Neid  und  böse  Absichten  haben  sie  beseelt.  Seit  zwei  und
„zwanzig  Jahren,  daß  ich  regiere,  war  mein  einziger  Zweck,
„meine  Unterthanen  zu  guten  Christen  und  glücklichen  Bür-„gern
  zu  machen.  Warum  läßt  man  sich  denn  so  sehr  von
„Leidenschaft  hinreißen  gegen  einige  Bischdfe,  die  meinen  Ab-„sichten
  redlicher  entsprechen  als  die  übrigen.  Nie  hatte  ich