172

ten  historisch  merkwürdiger  ist,  als  jeder  andere.  Jeuer  Oberpfaffe
  des  ganzen  Occidents  muß,  um  seinen  Despotismus  über
alle  übrige  Pfaffen  im  Occident  zu  gründen,  gerade  die  Mittel
brauchen,  die  von  jenen  selbst  gebraucht  werden,  um  Herren
der  Laien  zu  werden.  Der  Mann  mit  der  magischen  Laterne
mag  wohl  sonst  dem  Volke  ein  Blendwerk  vormachen,  daß
es  ihn  augafft  und  staunt;  aber,  daß  die  mit  ihm  herumziehenden
  Associés  ihn  auch  anstaunen,  sie,  die  doch  das
Räderwerk  der  Maschine  kennen,  das  ist  gewiß  die  größere
Merkwördigkeit  des  Phänomens.  Sonst  ist  es  in  aller  Geschichte
  so,  daß  der  Despot  immer  Sclave  derer  ist,  durch  die
er  seinen  Despotismus  auslbt.  Die  roͤmischen  Auguste  der
vier  ersten  Jahrhunderte  zitterten  vor  ihren  Prätorianern.
Der  Großherr  der  Türken  kann  ungescheut  mit  den  Köpfen
seiner  Großveziere  und  Bassen  spielen;  aber  vor  seinen
Fanitscharen  muß  er  Respect  haben,  weil  sie  zu  genau  das
Geheimniß  wissen,  daß  er  Alles,  was  er  ist,  bloß  durch  sie
ist.  Rußlands  Beherrscherin  fürchter  sich  vor  Niemand,  als
vor  ihrer  Garde;  aber  dieser  geisiliche  Despot  hat  zum  Theil
erhalten,  was  allen  andern  unmdglich  war,  daß  er  oft,  trotz
der  Empbrungen  seiner  treuen  Garde,  doch  seine  Oberherrschaft
  behaupret.  Im  mittlern  Zeitalter  war  es  leicht,  über
die  Laien  zu  herrschen.  Die  Herrschaft  des  Geistlichen  über
die  Laien  im  mittlern  Jeiralter  war  oft  nichts  anders,  als:
Herrschaft  des  Aufgeklärten  über  den  minder  Aufgeklärten.
Hier  gieng  also  Alles  den  ordentlichen  Gang  der  Natur;  aber
der  rômische  Bischof  war  nur  höchst  selten  der  beträchtlich  aufgeklärtere
  unter  seinen  Mitbrüdern;  und  doch  herrschte  er  über
sie,  und  nie  strenger,  als  wenn  sie  es  fühlten,  daß  er  ihnen
weder  an  Talenten,  noch  an  Ausbildung  gleich  sey.  Die  strengsten
Mäbste  waren  z.  B.  oft  die,  welche  aus  Mönchsorden  waren.
In  der  ganzen  Einrichtung  der  Natur  liegt  es,  daß  wir
den  Mann,  der  uns  in  den  allerinteressantesten  Wahrbeiten