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der  Orthodorie  bei  Welt  und  Nachwelt  verloren,  und  mit  ihm
war  die  Ruhe  ihres  Lebens  dahin!

Eine  Fatalitär  solcher  Art  widerfuhr  in  der  zweiten
Hälfte  des  vierten  Jahrhunderts  dem  rdmischen  Bischof  Liberius.
  Es  gab  zu  seiner  Zeit  im  rdmischen  Reiche  eine
Ketzerpartei,  Semiarianer,  mit  der  es  aber  der  Kaiser
Constantius  hielt.  Liberius,  Bischof  zu  Rom,  suchte  nicht
eigentlich  den  Kaiser  vom  Arianlsmus  abzubringen,  sondern
nur  wenigstens  sich  mit  seiner  orthodoren  Meinung  von  der
Gottheit  Jesu  Duldung  zu  verschaffen.  Aber  der  Kaiser  hielt
so  viel  auf  Duldung,  als  die,  Päbste,  wenn  sie  frei  zeigen
dürfen,  was  sie  davon  halten.  Der  schlaue  Kopf  bat  den
Kaiser,  die  Sache  einer  Synode  zu  übertragen.  Er  freute  sich
schon  zum  voraus,  wie  sehr  er  hinter  dem  Schilde  der  Synode
verborgen  liegen  wollte.  Die  Synode  war  300  Bischdfe
stark;  aber  nur  drei  unter  ihnen  wollten  die  Ketzerei  nicht  annehmen,
  welche  Lieblingsmeinung  des  Kaisers  war.  Der  arme
rèmische  Bischof  —  wie  ihn  jetzt  der  Kaiser  mißhandelt!  Er
setzt  ihn  endlich  ab,  verweist  ihn  nach  Thracien,  macht  einen
neuen  gelehrigern  Bischof,  der  mehr  Respekt  gegen  die  kaiserlichen
  theologischen  Grillen  hatte.  Die  rômischen  Damen  aber,
mitleidige.  Seelen  mir  ihrem  ehemaligen  Herrn  Beichtvater,
baten  so  unwiderstehlich  beim  Kaiser,  daß  endlich  Liberius
aus  dem  Eril  zurückkommen  durfte;  yur  mußte  er  sich  vorher
  bequemen,  dem  allerhöchst  kaiserlichen  Ausspruche  in  Puncto
der  Gottheit  Chrisii  beizutreten.  Die  Kurialisten  sind  sehr
vergnügt  darüber,  daß  Liberius  nachber  wieder  übergetreten
sey,  sobald  er  nichts  mehr  vom  Kaiser  zu  fürchten  gehabt
habe;  aber  die  Protestanten  glaubten,  der  heilige  Geist,  der
in  Liberius  wohne,  hätte  nie  so  furchtsam  seyn  sollen.

Er  war  überhaupt  damals  in  Rom  ein  seltsamer  heiliger
Geist.  Er  machte  oft  schlimmere  Streiche,  als  die  Weltkin-