192

Didcesaubischof,  so  machte  sich  der  roͤmische  Bischof  einen
Freund,  der,  kraft  eines  solchen  neuen  Titels,  die  Gewalt
des  Metropoliten  zu  schwächen  suchte.  Erhielt  der  Metropolit
  die  Legatenwuͤrde,  so  wußte  man  bald  nicht  mehr,  ob
er  gewisse  Dinge  als  Metropolit,  oder  als  Legat  des  roͤmischen
  Stuhls  gethan  habe.  Sie  fingen  an,  da  sich  Alles
so  glücklich  ereignete,  auch  geistliche  Ordensbänder
aus  zutheilen.  Es  hieß  Pallium.  Wie  doch  der  kleine
Herr  dem  großen  immer  nachäfft!  Der  Kaiser  hatte  die  Gewohnheit,
  besonders  verdienten  Männern,  die  er  vorzüglich
ehren  wollte,  ein  solches  Purpurband  zu  schenken.  Der  romische
Bischof  that  es  dem  Kaiser  nach,  aber  unter  hundert  Einschränkungen.
  Bei  dem  ersten  Präsent,  das  der  romische  Bischof
  an  einen  andern  machte,  hielt  er  ordentlich  beim  Kaiser
an,  ob  er  es  machen  dürfe,  erkundigte  sich  bei  dem  andern
Bischof,  ob  er  es  nehmen  würde,  ließ  sich  nicht  einfallen,  daß
damit  eine  gewisse  Verbindlichkeir,  Beobachtung  gewisser
Pflichten  gegen  den  rèmischen  Stuhl  verbunden  seyn  solle.
Alles  ging  jetzt  glücklich.  Der  römische  Bischof
Gelasius,  zu  Ende  des  fünften  Jahrhunderts  (492  bis
496),  fing  deßwegen  auch  an,  den  Bischöfen  in
seinen  Schriften  nicht  mehr  den  Brudertitel  zu
geben,  sondern  er  nannte  sie  Söhne,  und  unter  seinem
  Nachfolger  Symmachus  wurde  zuerst  der  sonderbare
Einfall  dem  Publikum  avertirt,  daß  der  Bischof  von
Rom  außer  Gott  keinen  Richter  habe.  Die  Veranlassung
  zu  dieser  neuen  Entdeckung  war  so  schon,  als  die
Entdeckung  selbst:  Ein  paar  Geistliche  in  Rom  zankten  sich
um  die  Bischofswürde,  und,  weil  jeder  derselben  wußte,  daß
Petrus  nicht  nur  Schlüssel,  sondern  auch  ein  Schwert  gehabt
babe,  so  griffen  beide  nach  dem  Schwert  ihres  vermeintlichen
Herrn  Antecessors.  Rom  wurde  mit  Plündern  und  Morden