1953

erfuͤllt.  Koͤnig  Theodorich  sah  endlich  darein,  ließ  die  Forderung
  der  beiden  Prätendenten,  Symmachus  und  Laurentius,
  untersuchen,  sprach  die  Bischofswürde  dem  erstern
zu,  und  machte  Verfügungen  wegen  künftiger  besserer  Einrichtung
  der  Wahl.  Die  verurtheilte  Partei  schwieg  aber  doch
noch  nicht.  Sie  wußten  zu  viel  von  dem  neuen  Bischofe,
und  die  Partei  des  neuen  Bischofs  mag  auch  ihrer  Sache
nicht  recht  gewiß  gewesen  seyn.  Sie  beriefen  sich  immer  auf
den  lieben  Gott.  Um  dieß  Berufen  nicht  ganz  von  der  Art
seyn  zu  lassen,  wie  sich  der  Pöbel  auf  den  lieben  Gott  beruft,
wenn  geschworne  Jeugen  und  unläugbare  Aktenstücke  gegen
ihn  rufen,  fügte  man  den  schönen  Satz  hinzu,  daß  der  liebe
Gott  das  nicht  nur  am  besten  wisse,  sondern  auch  richten
könne.  Durch  was  für  eine  wunderbare  Wendung  ist  man
doch  auf  den  Satz  gekommen,  daß  der  rmische  Bischof  Kirchensouveränu
  sey!

So  ging  es  wie  auf  gebahnter  Straße  bis  zur  Regierung
Justinus.  Auch  unter  seinem  Nachfolger  Justinian  ließ
es  sich  erträglich  an,  nur  blieb  der  Kaiser  nicht  bei  der  Feder
und  dem  Degen;  er  versuchte  auch,  wie  ihn  Mantel  und
Kragen  zieren  möchten,  spielte  den  Theologen,  und  der  rômische
Bischof  mußte  einigemal  die  Kosten  des  Spiels  bezahlen.  So
kam  Vigilius  zu  der  scharfen  Züchtigung,  welche  nach  dem,
was  bisher  der  rdmische  Bischof  gethan  und  genossen  hatte,
ein  ganz  unverhofftes  Bad  war.  Freilich  war  die  ganze.  Art,
wie  Wigilius  auf  den  Stuhl  gekommen,  kein  erbauliches  Document
  zu  der  Geschichte  des  Untrüglichen.  Justinians  Gemahlin
  Theodora,  von  der  Crebillon  eine  schöne  Geschichte
hätte  schreiben  können,  machte  den  Vigilius  durch  ihr  Geld
und  ihre  Briefe  an  den  Erarchen  zum  Bischof  von  Rom.  Der
bisherige  Bischof  Sylverius  war  ein  alter  Degenknopf,
deroaus  Gefälligkeie  gebr  #  die  Kaiserin  nichts  von  seiner  alten

Spittler's  sémmtliche  Werte.  IX.  Bö-  43