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Dogmatik  nachgeben  wollte.  Vigilius  wollte  orthodor  und
galanr  zugleich  seyn.  An  die  Kaiserin  schrieb  er,  wie  sie  cs
gern  hoͤrte,  an  den  Bischof,  wie  das  Cowbendium  theologie
dogmaticae  es  haben  wollte.  Er  haͤtte  sich  auch  durchgeschlagen,
  wenn  nicht  mit  einemmale  die  Grille  in  Justinians
Kopf  gefabren  wäre,  drei  alte  Bischöfe,  deren  Gebein  vielleicht
längst  zum  Gebein  anderer  geworden  war,  im  Grabe  versluchen
  zu  lassen.  Man  barte  sie  unterdeß  für  ebrliche,  unschuldige,
  wohl  auch  gar  für  heilige  Männer  gehalten.  Vigilius
  war  immer  einer  der  ersten,  welcher  jedem  theologischen
Kaiserseinfalle  Justinians  Beifall  gab  und  ihn  unvergleichlich
fand;  ein  paar  afrikauische  Bischdfe  aber  dffneten  ibm  plötzlich
  das  Verständniß,  daß  er  wenigstens  merkte,  die  Kunst  sey
nicht  zu  leicht,  zwischen  Seplla  und  Charpbdis  hindurch  zu
segeln.  Vigilius  mußte  persdnlich  nach  Consiantinopel  kommen;
  der  Kaiser  wollte  ihm  die  Sache  persbulich  erläutern.
Diesem  persdnlichen  Eindrucke  des  überaus  boͤflichen  Kaisers
konnte  er  so  wenig  widerstehen,  daß  er  auch  seinen  Theil  Fluch
gegen  die  vermoderten  Gebeine  dieser  drei  alten  Bischöfe  aussprach.
  Wie  ein  Widerhall  aber  kam  ihm  sogleich  der  Fluch
aller  Orthodoren  entgegen.  Er  mußte  sich  nothwendig  eines
Bessern  besinnen,  nur  war  die  Kunst  schwer,  wieder  mit  Ehre
zurückzutreten.  Der  Kaiser  war  zu  alt  und  zu  sehr  Theolog,
als  daß  er  einen  einmal  gefaßten  Einfall  wieder  aufgegeben
baͤtte.  Vigilius  erfuhr  auch  alle  Wirkungen  des  einmal  auf--gebrachten
  Monarchen,  wie  er  seine  Meinung  veränderte.
Der  Kaiser  hat  ihn  durch  Soldaten  aus  der  Kirche  herbeischleppen
  lassen,  in  Constantinopel  bei  Wasser  und  Brod  eine
Zeitlang  eingesperrt,  ihm  mit  dem  Tode  gedroht,  ihn  in's
Exil  geschickt.  Aus  dem  Eril  hat  er  wieder  nach  Ftalien  müssen.
.  So  wurde  der  sogenannte  Pabst  noch  in  der  Mitte  des
sechsten  Jahrhunderts  vom  Kaiser  zu  Constantinopel  behandelt.