196

Ignoranz  in  den  ersten  Elementen  der  Kirchengeschlchte,  daß
ein  Mensch  eristiren  kann,  der  Untrüglichkeit  des  Pabstes  annimmt.
  Jeder  Pabst  mußte  bei  seinem  Regierungsantritt  seinem
  Vorgänger  das  Anathema  zurufen,  wenn  er  sich  in
Rücksicht  auf  Orthodorie  geirrt  hatte.  Ueberhaupt,  wie  wenig
man  ihn  für  einen  ehrlichen  Mann  gehalten  hat,  sieht  man
daraus:  man  ließ  ihn  erwas  mit  Tinte  unterschreiben,  worin
Abendmahlwein  vermischt  war,  damit  man  seines  gegebenen
Worts  desio  mehr  versichert  seyn  moͤchte.

Stand  es  mit  dem  päbstlichen  Ansehen  so  schlecht,  wie
vollends  mit  dem  Patrimonium  Petri!  An  Oberherrschaft
über  Rom  war  wohl  nicht  zu  denken;  aber  auch  die  Einkünfte
  vom  Zehnten,  versprochene  jährliche  Gelder,  die  hie  und
da  aus  den  Provinzen  eingehen  sollten,  blieben  aus.  Was
sollten  die  fränkischen  Koͤnige  dafür  sorgen,  daß  Geld  nach
Italien  geschickt  würde!  Der  Name:  Patrimonium  Petri
klingt  prächtig  jetzt  in  unserm  Ohr,  aber  nicht  im  Ohr  der

Menschen  des  sechsten  und  siebenten  Jahrhunderts.  Es  hieß:
Eigenthum  der  rdmischen  Kirche,  von  der  man  glaubte,  daß
sie  Petrus  gestistet  habe.  3.  B.  Patrimonium  larci  hieß
die  venetianische  Kirche,  weil  man  glaubte,  daß  sie  Marcus
gestifter  habe.  Nach  und  nach  aber  hat  es  sich  eingeschlichen,
es  werde  Alles  dem  heiligen  Petrus  geschenkt,  was  man  der
Kirche  von  Rom  schenke,  weil  das  Patrimonium  Petri  damit
  vermehrt  werde.

Eo  war  im  sechsten  und  siebenten  Jahrhundert  bis  in's
aaste  und  zwolfte  gewöhnlich,  daß,  wenn  ein  römischer  Bischof
starb,  seine  ganze  Hinterlassenschaft  den  Armen  Preis  gegeben
werden  mußte.  Der  Ursprung  dieser  Gewohnheit  kam  daher:
Allis,  wovon  der  Bischof  lebte,  war  gewoͤhnlich  aus  der  Ar-Moankasse#
  Waner  also  sich  erspatte,  hatte  er  kigentlich  den
Ahen#z  viel  entzogen.  Daher  vindicirten  es  die  Armen