225

als  nothwendig  zum  Lebensunterhalt  war,  gab.  Dieser  Pabst
war  auch  freilich  kein  Heiliger,  und  Hildebrand  haͤtte  viel
von  ihm  sagen  koͤnnen.

Wie  Alerander  starb  (1073)  ließ  sich  Gregor  wählen,
  und  seine  Wahl  war  ein  Meisterstück  von  Politib.  Noch
am  Begräbnißtage  Aleranders  geschah  sie.  Die  Geistlichen
kannten  ihn  zu  gur,  als  daß  sie  sich  von  freien  Stücken  eine
solche  Rurhe  würden  gebunden  haben.  Er  machte  Kabalen
unter  dem  Volke,  das  ihn  mit  allem  Geschrei  wählte.  Wollten
  sie  sicher  seyn,  so  mußten  sie  nachschreien.  Dann  stellte
er  sich,  als  ob  er  gezwungen  worden  wäre,  mischer  Bischof
zu  werden,  schrieb  selbst  nach  Deutschland  an  die  deutschen
Bischbfe,  erflehre  sich  herzlich  ihr  Geber,  damit  er  die  große
Last,  die  ihm  auf  die  Schultern  gelegt  sey,  tragen  könnte.
Am  bängsten  war  ihm  vor  dem  kaiserlichen  Hofe.  Er  schrieb
daher  an  den  Kaiser,  er  werde  sich  nicht  installiren  lassen,  bis
der  Kaiser  ihn  confirmirt  habe.  Doch  bewies  er,  daß  der
Mäbst  nicht  die  Ordination  nöthig  habe,  sondern  seine  Würde
unmittelbar  von  Gott  erhalte.  Es  war  also  jene  Bescheidenbeit
  bloßer  Betrug.  Wie  der  kaiserliche  Gesandte  die  Sache
untersuchte,  spielte  er  doch  den  Mbst  unterdeß  fort.

Wenn  alle  die  Nachrichten  richtig  wären,  die  der  Cardinal
  Benno  in  der  Lebensbeschreibung  desselben  bringt,  so
müßte  es  bei  der  Wahl  Gregors  dußerst  schändlich  zugegangen
  seyn.  Er  stellt  die  Sache  so  vor:  Gregor  habe
seinen  Vorfahren  Alerander  II.  äußerst  hart  gehalten.  Nach
einer  vor  ihm  liegenden  Nachricht  habe  er  ihn  sogar  öfters.
geprügelt.  Auch  habe  er  das  Uebrige  von  den  Kircheneinkünften
  für  sich  gesammelt,  um  auf  den  Todesfall  des  Pabstes
eine  hinlänglich  große  Partei  unter  dem  Volke  sich  erkaufen
zu  können.  Wenn  er  nur  alle  einzelne  Umstände  erzäblte!
Daß  etwas  von  der.  Art  vorgegangen  seyn  muß,  L  eht  mau

Spittler's  sämmtliche  Wertc.  IX.  Bö.