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stringire  keine  Observanz.  Wenn  es  den  Koͤnigen  gefalle,  nach
einer  Indulgenz  von  eilf  Jahrhunderten  ihr  Recht  wieder  hervorzusuchen,
  haben  sie  sich  durch  die  eilf  Jahrhunderte  hindurch
beobachtete  Observanz  nichts  vergeben;  warum  dieß  nicht  noch
vielmehr  gegenüber  der  Kirche  gelten  müsse?  Noch  ein  Grund
war  aus  dem  Evangelium  genommen.  Es  sey,  wurde  behauptet,
  die  Investitur  von  Christus  verboten  worden.  Christus
sey  nämlich  das  Thor  der  Gemeinde  zum  Schafstall,  zu  dem
Jeder  hineingehen  müsse,  der  rechtmäßig  hineinkommen  wolle;
kein  Geistlicher  müsse  also  durch  ein  anderes  Thor,  als  durch
Christus  eingehen.  Chrisius  sey  aber  nicht  die  weltliche,  sondern
  die  geistliche  Obrigkeit.

Der  Streit  gegen  die  Investitur  nützte  dem  Pabste  unendlich
  mehr,  als  das  Frieren  des  Kaisers  im  Schloßhofe  zu
Canossa.  Ein  ganz  neuer  Satz  für  das  Zeitalter!  Man  siehr,
daß  sich  Alles  auf  allegorische  Gründe  hinausdreht.  Der
Hauptgrund  ist:  was  die  Kirche  geschenkt  bekommt,  hat  sie
auf  ewig;  jede  neue  Investitur  ist  unnöthig,  ist  bloß  norbwendig,
  wenn  Laien  investirt  werden.  Ferner:  Alles  was  in  Kirchenangelegenheiten
  auch  nur  auf  die  entfernresie  Art  auf  Mißbräuche
  führen  kann,  ist  verboten.  Die  Investitur  durch  Ring
und  Stab  führt  aber  auf  Mißbräuche.  Denn,  so  lange  der
König  Herr  vom  Ring  und  Stabe  ist,  kann  er  den  ordentlichen
  Gang  der  Bischofswahl  hindern,  es  steht  in  seinem.
Willen,  diesen  und  jenen  vielleicht  untadelhaften  Mann  von
der  Bischofswahl  auszuschließen;  daher  muß  man  sie  ihm
absprechen.

Viele  sahen  bei  dem  ganzen  Streit  gar  nicht,  wo  der
Pabst  hinaus  wolle.  Einige  waren  fast  der  Meinung  (und  noch
gegenwärtig  trennen  sich  die  Historiker  bei  der  Erzählung  des
Sereits  darin,  ob  bloß  die  bisherigen  Insignien  der  Investitur
verboren  seyn  sollen)  daß  der  König  wohl  investiren  dürfe;