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fingen  an,  sich  zu  scheroen.  Das  Jus  canonioum,  getreunt
von  der  Theologie,  ward  eine  eigene  Disciplin.  Durch  die
Sammlung  Gratians  und  durch  die  Sammlung  einiger  Dekretal,
Bücher  wurde  sie  mehr  kultivirt.  —  Das  römische  Recht
ging  jetzt  in  seinen  vollen  Tag,  wurde  selbst  durch  den  Kaiser
in  seinem  Interesse  befördert.  Wie  Litcratur  damals  geschätzt  worden
  ist,  sieht  man  u.  a.  daraus,  daß  Friedrich  I.  (1153  bis
4190)  auf  seinem  Reichstag  ein  paar  Rechisgelehrte  über  das
Schicksal  von  ganz  Italien  entscheiden  ließ.  Also,  das  Jahrhundert
  der  größten  Aufklärung  war  zugleich
auch  das  Jahrhundert  der  gläuzendsten  Periode
des  Pabstthums.  Dieß  widerlegt  das  gemeine  Vorurtheil,
als  ob  bloß  in  dunklen,  trüben,  unaufgeklärten  Zeiten  der
Pabst  geherrscht  hätte  und  hätte  herrschen  können.  Daß  ungeachtet
  der  Periode  der  größten  Aufklärung  er  doch  herrschend
war,  kam  daher,  weil  er  die  Kanäle,  durch  welche  sich  Aufklärung
daimnals  in  der  Welt  verbreitete,  künsilich  getrübt  hatte,  oder
weil  alle  die  Ströme  von  Aufklärung  von  Rom  ausflossen.

Derselbe  Fall  war  mit  den  Jesuiten  zur  Zeit  der  Reformation.
  So  lange  die  Jesuiten  bei  dem  System  blieben,  sich
des  Jugend  zunehmen,  den  Menschen  in  der  Periode
kennen  zu  lernen,  n  wo  er  seine  Leidenschaften  unverstellt  entdeckt,
um  zu  wissen,  wenn  er  Acteur  in  der  Welt  werden  sollte,  was
sie  für  einen  Menschen  an  ihm  hätten,  in  wiefern  sie  auf  ihn
rechnen  könnten,  so  lange  hielten  sie  sich.  Sobald  sich  andere
Orden  auch  des  Jugend-Unterrichts  annahmen,  die  Fesuiten
ihn  schwinden  ließen,  sind  sie  gefallen.  So  war  es  auch  in
Ansehung  der  Geschichte  des  Pabstthums.

Das  zwölfte  Jahrhundert  war  der  Aufang
der  glänzendsten  Periode  des  Pabstthums,  und
zugleich  auch  das  Jahrhundert  der  mächrigsten
Könige  und  Kaiser.  Auch  wieder  ein  Paradoron,  da
man  sonst  gewöbnlich  annimmt,  daß,  je  mehr  die  Macht  der

Spittlers  sämmmiche  Werkr.  IX.  Bd.  16