251

einem  Bischof  Ulrich  von  Augsburg  bekommen,  der
durch  Nikolaus  ll.  im  eilsten  Jahrhundert  beilig  gesprochen
wurde.  Gregor  VII.  oder  Hildebrand  soll  den  Bischoͤfen
das  Canonisiren  verboten  haben;  wenn  aber  er  seibst  canonisirte,
  that  er  es  immer  auf  einer  Synode.  In  der  Mitte  des
zwolsten  Jahrhunderts,  da  durch  kanonisches  Recht  alle  kirchlichen
  Begriffe  verdreht  worden  waren,  riß  Eugen  III.  das
Recht  zu  canonisiren  ganz  allein  an  sich.

Indder  glänzenden  Periode  des  Pabsithums
macht  eine  große  Hauptepoche  Innocenz  III.  Er
wurde  im  Todesjahr  Heinrichs  VI.  zum  Padsi  gewählt,  wo
die  glänzende  Macht  der  Hohensiaufen  zu  Grabe  getragen  ward.
Seine  ganze  Carriere  vor.  seiner  Regierung,  und  seine  ganze
Gesinnung  und  Art,  wie  er  sich  zum  vollkommensien  Pabsie
machte,  war  völlig  verschieden  von  Gregor.  Wie  es  schien,
ein  gutwilliger,  gutmürhiger  Mann.  Er  war  wohl  auch  zu
solchen  Thaten,  wie  sie  Gregor  verübte,  noch  zu  jung;  denn
er  war.  erst  37  Jahr  alt,  wie  man  ihn  zum  Pabste  wählte.
Es  fiel  den  Cardinälen  selbst  auf,  ob  er  nicht  zu  jung  dazu
sey,  besonders  da  er  erst  Diakonus  war;  aber,  da  er  aus  einer
ansehnlichen  Familie  war,  wurde  er  dennoch  gewählt.  Gar  vicht
politisch  gewaltthätig  war  er  in  seiner  früheren  Laufbahn,  sondern
  er  machte  ganz  die  Carriere  eines  Gelehrten,  studirte  in
Rom,  Paris  und  Bononien.  Er  hatte  sich  zu  einem  der  geschicktesten
  Canonisten  seines  Zeitalters  gebildek,  schrieb  zugleich
über  mehrere  theologische  Streitigkeiten,  ehe  er  Pabst  ward.
Gerade  so  eines  Mannes  bedurfte  es  jetzt,  nicht  eines  blindgewaltthärigen,
  sondern  eines  solchen,  der  die  Räder  der  Maschine
  mit  starkem  Arm  zwar,  aber  mit  Besonnenheit  in  Gang
brachte,  und  durch  geschickte  theorerische  Erfindungen  den  Friktionen
  in  der  Maschine  abhalf.

Er  fing  damit  an,  erst  zu  Hause  Frieden  zu  machen.