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nuͤtzliche  Anwendung  fuͤr  den  Pabst  von  dem  Spruch:  Matth.
48,  16  —  47.  Wenn  ein  Paar  Streit  mit  einander  härten,
und  nicht  einig  werden  könnten,  solle  es  der  beleidigte  Theil
der  Gemeinde  anzeigen.  Die  Gemeinde  repräsentiren  die
Mäbste;  also  alle  Sünden,  wenn  sie  nicht  ausgemacht  werden
können,  gehören  vor  den  Pabst.  Nun  sind  keine  Screirigkeiten
  unter  Königen,  wo  nicht  einer  oder  der  andere  fündigt,
also  kein  Krieg,  wo  nicht  die  ganze  Sache  vor  den  Pabst
gehoͤrte.

Innocenz  selbst  machte  bald  Anwendung  von  seinen  canonistischen
  Ideen,  behandelte  die  Bischoͤfe  seines  Zeitallers  wie
seine  Jungen,  und  übersah  sie  freilich  auch  alle.  Im  Jahre
4215  wurde  eine  Synode  im  Lateran  gehalten.  Er  hielt  es
nicht  der  Mühe  werth,  Vota  anzuhdren,  sondern  die  Versammelten
  mußten  ihr  weißes  Papier  unterschreiben.  Dann#setzte
er  die  Canones  darauf.  Da  einmal  ein  solcher  Pahst  da,
war,  da  Alles  leicht  durch  den  Canal  der  Universitäten  pertheilt
  und  dem  Publikum  communicirt  wurde,  gint  die  Sache
so  ihren  ordentlichen  Gang,  daß  die  Ideen  angenommen  wurden,
  ohne  dah  Femand  mehr  an  ihrer  Richtigkeingezweifelt  hätte.
Die  neue  Theorie,  so  unbequem  sie  uns  jetzt  scheint,  batte
damals  große  Bequemlichkeit.  Wenn  ein  paar  Scholasliker
auf's  heftigste  mit  einander  disputirten,  an  Gott,  Unsterblichkeit
  zweifelten,  so  durften  sie  darüber  disputirenz  wenn  nur
die  Dispuration  immer  damit  geschlossen  wurde:  salvo  ecclesiac
  judicio,  wenn  sie  nur  den  päbsilichen  Purpur  unangetastet
  ließ.  Auch  für  die  Könige  war  die  Theorie  sebr  bequem,
  besonders  für  die  Könige  in  Frankreich.  Sie  konnten
ihre  Bischöfe  nach  Willkühr  sacrificiren.  Der  Kdnig  in  Frankreich
  schlachtete  seine  großen  Vasallen  in  Languedok  der  Reihe
nach  ab,  unter  dem  Vorwande  der  Ketzerei.