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Leo  seine  Leute  in  Rom  nicht  gekannt  haben.  Warum  schickte
er  einen  Scholastiker  und  nicht  einen  Theologus  biblicus,
gegen  Luther  zu  disputiren?  Unter  den  vielen  Legaten,  die
er  nach  Deutschland  gesandt,  kein  einziger,  der  der  Gesandtschaft
  auch  nur  einigermaßen  gewachsen  gewesen  wäre,  ausgenommen
  Carl  von  Miltitz,  ein  päbstlicher  Kammerherr,
den  er  nach  Wittenberg  mit  einer  geweihten  Rose  schickte.
Ein  feiner  geschmeidiger  Hofmann,  der  Luthern  zu  persuadiren
  wußte.  Nur  kam  ein  Hofmann  zu  spät,  so  daß  der
Kurfürst  nicht  einmal  die  geweihre  Rose  annehmen  wollte.
Luther  wollte  disputiren,  und  Leo  schickte  einen  Hofmann!
Nach  Leo's  Tode,  von  dem  man  eine  Menge  kleiner
Umstände,  wie  sauer  er  ihm  geworden  sey,  erzählte,  waren
die  Cardinäle  in  großer  Verlegenheir,  wie  sein  Platz  ersetzt
werden  sollte;  nicht  nur  um  der  Reformation  willen,  sondern
besonders  auch  wegen  des  Verhältnisses  zwischen  Frankreich
und  Spanien  mit  Italien  war  es  wünschenswerth,  daß  ein
solcher  Pabst  komme,  der  das  Gleichgewicht  zwischen  ihnen
bielt.  Man  war  im  Conclave  zusammen.  Einen  Cardinal
überfiel  die  thdrichte  Inspiration,  man  würde  Karl  V.,  der
doch  der  mächtigste  sey,  sich  nicht  besser  verbindlich  machen
können,  als  wenn  man  seinen  Präzeptor,  Cardinal  von
Hadrian,  wählte.  Aber  Hadrian  VI.  (1522—1528)  als
Pabst  in  den  Zeiten,  wo  ein  politisch  feiner  Kopf  nöthig  gewesen
  wäre,  war  der  allerungeschickteste.  Ueberhaupt  ein  boͤ-ses
  Beispiel,  daß  sie  von  ihrer  Observanz  abgegangen  waren,
einen  Römer  zu  wählen.  Nun  konnte  auch  dem  Könige  von
Frankreich  einfallen,  einen  Franzosen  gewählt  zu  sehen.  Keiner
  war  ein  trefflicherer  Scholastiker,  als  Hadrian,  aber  er
war  ein  schlechter  Regent,  wovon  er  in  Spanien  ein  paar
Proben  abgelegt  hatte.  Alles,  was  er  that,  diente  dazu,  die
Zusammenverschwèrung  zu  vermehren,  so  daß  am  Ende  ein